aufgefasst&abgebissen 17/14

Nachlese der 14. KW

Krieg oder nicht Krieg, das ist hier die Frage

Montag vor sieben Tagen war wie einst der Delinquent auf dem Weg  zum Schafott sagte: Die Woche fängt ja gut an.

Der frühere Tory-Außenminister Michael Howard, heute ein angeschlagen wirkender Lord, verkündete mit leicht zittriger Stimme: Sollte Spanien im Zuge des Brexit Gibraltar zurück verlangen, könnte Theresa May wie Margaret Thatcher handeln und Gewalt anwenden. Die Story, die ein Schlaglicht auf die kriegslüsterne Gedankenwelt der Rechten und sogenannten Konservativen im Vereinigten Königreich wirft, hat Robert Mackey bei The Intercept aufgeschrieben („Brexit Off to Rocky Start With Rumors of War Over Gibraltar“): „War with Spain was not on the ballot paper when Britons went to the polls in last year’s referendum“.

Dass derlei Gerede in England, beackert von der dortigen Boulevardpresse, auf fruchtbaren Boden fallen kann, hat Andrew Stroehlein, European Media Director von Human Rights Watch, in einem einzigen Tweet veranschaulicht:

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Die Rolle des Einpeitschers übernimmt in Deutschland bekanntlich der Springer Verlag. Vorneweg Julian Reichelt, Redaktor-in-Chief von BILD:

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Hintendrein dackelt brav die B.Z., die den de-facto-Kriegszustand zwischen den USA und Syrien so verklärt:

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Denn zwischen Mittwoch und Freitag hat sich bekanntlich The Donald entschieden, Syrien anzugreifen. Nach zahllosen innenpolitischen Niederlagen in nicht einmal 100 Tagen im Amt, brauchte der Mann wohl so etwas wie (Selbst)Bestätigung. Oder die bekannten bösen Buben dieser Welt, Assad, Putin und Kim Jong-un wollen den Unberechenbaren nur einmal austesten.

Dafür hat Trump erst einmal im Nationalen Sicherheitsrat (NSC) klar Schiff gemacht. White House Chief Strategist Stephen K. Bannon, erst Ende Januar in den NSC berufen, musste Platz machen. An seine Stelle sind der Vorsitzende der vereinigten militärischen Führungsstäbe, General Joseph Dunford als Militärberater sowie der Direktor der nationalen Nachrichtendienste, Dan Coats als Geheimdienstberater wieder mit ständigem Sitz im NSC.

Wer bei dieser Umbesetzung und Trumps Entscheidung Regie geführt hat, darüber wird spekuliert. Das trifft auch auf den Grund des Angriffs zu. Peter Ford, ehemaliger Botschafter des Vereinigten Königreichs u.a. in Bahrein und Syrien, im Interview mit der BBC: „Trump has just given jihadis a thousand reasons to stage fake flag operations.“

Auch dass die USA Russland und Syrien über den bevorstehenden Angriff vorab informiert hätten, hat bislang keine Bestätigung gefunden. Zwei Dinge dürften jedoch als Aussicht für die nächste Zeit gelten: Die USA haben abermals völkerrechtswidrig einen fremden Staat angegriffen. Und Bannon ist kein Spezialist für Außenbeziehungen. Wer Bannon jetzt schon abgeschrieben hat, hat womöglich vergessen, wo die Kernkompetenzen dieses Mannes liegen. Auf die ist Trump in seinem permanenten Wahlkampfmodus als Regierungsstil auf Dauer angewiesen.

Beunruhigend bleibt, dass Trump so schnell auf die Kriegskarte gesetzt hat, die Glenn Greenwald so zusammengefasst hat:

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Kann man sagen, wir befinden uns im dritten Weltkrieg, wie es Jean Ziegler im Interview mit der Wiener Tageszeitung Kurier vorträgt („Dritter Weltkrieg läuft längst“)? Ende 2015 wurde das im Nachklang zu den Attentaten von Paris auch von Frank Jansen beim Tagesspiegel behauptet: „Ein dritter Weltkrieg wird uns aufgezwungen“. Der Verfasser dieser Zeilen meint: Man kann Kriege auch herbeischreiben.

Sexy Mädchen ab 12

Weil es gerade so schön zynisch zugeht auf der Welt, darf natürlich nicht der Blick gewisser Herren auf die holde Weiblichkeit fehlen.

Wahrscheinlich geblendet vom Lichtzeichen, hat sich die sabbernde Redaktion von der B.Z. zum aussichtsreichen Kandidaten für den Big Brother Award (wahlweise: Pascha des Monats) in Stellung gebracht: Mit einer Story über die „sexy-Strandform“ einer Tochter vs. „Supermodel-Mama [die] immer noch eine wahnsinnig gute Figur macht“. „Dabei ist die eine 51 — und die andere gerade einmal 15.“ (Danke, BILDblog)

Aber es fängt noch ein klein wenig früher an, so um die 12. Nhi Le hat für Jäger und Sammler ein Video produziert zu: „Heiße Flirttipps! Tricks für den Traumbody? – Was ist das eigentlich für ein Bild, das Zeitschriften jungen Mädchen vermitteln?!“

Wenn ich mir vorstelle, dass jetzt von der Leyen voll hinter dem US-Präsidenten steht, muss wohl der alte Satz ein wenig umgeschrieben werden: „Mädels, macht die Beine breit, die Republik braucht Soldaten“. Für diese Helden

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Und je früher sie es kapieren ….

Last, but not least

Der Bundesgerichtshof wird demnächst (wohl 18. Mai) zu Uber urteilen. Das hat ein Richter in Italien schon getan und den Dienst wegen unlauteren Wettbewerbs schlicht verboten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Beitragsbild: Promotional still for the American film The Bait (1921) with director Maurice Tourneur and lions
Autor: Exhibitors Herald (Sep. 1920) on the Internet Archive
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Bait_(1921)_-_5.jpg
Lizenz: gemeinfrei
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Ein Gedanke zu “aufgefasst&abgebissen 17/14

  1. Update zu Julian Reichelt: Wenige Stunden nach Veröffentlichung unseres Beitrags trat der Redaktor-in-Chief von BILD bei „Hart aber fair“ auf. Selbst der FAZ ist das zuviel geworden. Frank Lübberding in „Kriegspropaganda – einmal nicht aus Moskau“: „So agierte Reichelt nicht als Journalist, sondern als Propagandist einer Kriegspartei.“ Und: „In seinem Feldzug sind Zweifel nicht erlaubt. Dafür wusste er gestern Abend in beispielhafter Weise Arroganz mit Ignoranz zu verbinden“.“ Fazit Lübberding über Reichelt: ‚Propagandist‘ mit ‚Pseudo-Fachwissen‘.

    Offenbar will Reichelt mehr erreichen als sein Vorgänger Diekmann: Kein Relief an einer Gebäudefassade, sondern gleich ein Reiterstandbild auf einem öffentlichen Platz.

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