LMHI – Es geht um den Wurster

Im zweiten Teil meiner Serie zum 72. Homöopathischen Weltärztekongress in Leipzig (LMHI) hatte ich das Grußwort von Frau Annette Widmann-Mauz, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit und Mitglied des Deutschen Bundestages erwähnt. Widmann-Mauz wünscht sich darin „alternative Behandlungsmethoden“ die durch „belastbare Studienergebnisse untermauert, (…) die hohe Qualität unserer Gesundheitsversorgung ergänzen (können)“. Mir kam zu Ohren, dass sich Kritiker bemüßigt sahen, Frau Widmann-Mauz für ihr Grußwort beim LMHI schriftlich zu kritisieren. In ihrer Antwort an diese Kritiker soll sie geschrieben haben, „das Bundesgesundheitsministerium (BMG) verhält sich grundsätzlich neutral gegenüber einzelnen Therapierichtungen“ und dass der LMHI einen „Diskurs über (…) die Grenzen dieses Fachbereichs“ ermögliche. Wohl wahr. Sie soll betont haben, dass „das Interesse des BMG (…) insbesondere auf den Themen Patientensicherheit und einer angemessenen Information der Patientinnen und Patienten über die Möglichkeit und die Grenzen alternativer Behandlungsmöglichkeiten (liegt)“.

Damit ist Frau Widmann-Mauz ganz auf Linie der Homöopathen, denen es auch um Sicherheit und Transparenz geht. Wie in den anderen Teilen der Serie schon aufgezeigt, widmen sich die Vortragenden einem ganzen Strauß an Themen. Dass die Homöopathen bei der Behandlung von Krebs großartige Erfolge erzielen, konnten wir schon in meinem Text zum Vortrag „CM18/03 Verborgener Schatz des Organons – die LM-Potenz“ lesen. Darin wird Dr. Tanvir Hussain aus Indien seine Ergebnisse und Krebsheilungen vorstellen. Doch wieso sollte man so weit reisen, um die Wunder der Homöopathie zu erleben, wenn man auch in der Nähe bleiben kann. Gerade wenn man Krebs hat, reist man nicht mehr gern so weit. Darum ist es erfreulich, dass im Rahmen des Vortrags DF09/01 „Die homöopathische Behandlung von Palliativ- onkologischen Notfällen als Grundlage für die Zusammenarbeit in allopathischen Spitälern“ mit Dario Spinedi ein ganz Großer der homöopathischen Krebsbehandlung den LMHI beehrt. Er ist so berühmt, dass die Neue Zürcher Zeitung im kürzlich einen Artikel gewidmet hat. Darin wurde zwar seine Seriosität in Frage gestellt, aber so ist eben bei der pharmafinanzierten Mainstreampresse!

Spinedi leitet die „Clinica St. Croce“ in der Schweiz und behandelt dort Menschen mit Krebs. Und er heilt sie. Mit Homöopathie. Das sollte Frau Widmann-Mauz doch erfahren! Dann kann das BMG seine „neutrale“ Haltung aufgeben und Homöopathie so richtig unterstützen. Was könnte für Geld gespart werden, wenn die Chemo- und Strahlentherapie rausfliegt und durch Globuli ersetzt wird. Wer braucht Sicherheit, wenn man Wunder haben kann? Wunder von verantwortungsbewussten Homöopathen, organisiert im DZVhÄ, unterstützt von der deutschen Politik.

Während Spinedi sich, ganz bescheiden, mit der Vorstellung der Behandlung onkologischer Notfälle begnügt, bei der „homöopathische Mittel eine manchmal entscheidende Wirkung (…) haben können“, geht der unter ihm arbeitende Arzt Dr. med. Jens Wurster einen Schritt weiter. Im Vortrag DF09/02 „20 Jahre Erfahrung bei der Behandlung von fortgeschrittenen Tumorleiden in der Clinica St. Croce – Palliativbehandlung in der Homöopathie“ trägt er über die homöopathische Arbeit in der Klinik vor. In der Fragestellung geht es darum, ob „Verbesserung der Lebensqualität und wenn möglich eine Lebensverlängerung“ „durch eine homöopathische Therapie möglich ist?“ Die Antwort liegt auf der Hand: Natürlich! Sonst würde es doch nicht seit 20 Jahren in der Clinica St. Croce gemacht! Doch auch die Sicherheit kommt nicht zu kurz, denn Wurster fragt, wie „die Sicherheit in der Arzneimittelverschreibung verbessert werden (kann)“. Frau Widmann-Mauz wird es freuen. Die Methodik beschreibt Wurster wie folgt:

„Mithilfe der genauen Anwendung und der Kenntnis der Reaktionen auf die Q-Potenzen ergeben sich oft Hinweise auf die richtige Arzneimittelwahl. Bei akuten Schmerzuständen benötigt man aber oftmals eine häufigere Wiederholung der C- Potenzen, um eine Schmerzlinderung zu erreichen.“

Da bleiben keine Fragen offen, so geht Wissenschaft! Probieren geht über studieren. Dass im Ergebnisteil Homöopathie eine „große Hilfeleistung“ zugesprochen wird, überrascht uns dann nicht mehr. Was uns überrascht, ist die Bescheidenheit Wursters in der Vortragsankündigung. Ist er doch sonst nicht so zurückhaltend, wenn es um die Fähigkeiten der Homöopathie geht. So gibt es Quellen, in denen er die alleinige homöopathische Behandlung von Krebserkrankungen als realistische Möglichkeit mit echter Heilungschance darstellt. Einige sind in diesem Blog zu finden. Doch Wurster wäre nicht Wurster, wenn er verzweifelten Patienten nicht ein Funken anbieten würden, an denen sich ihre Hoffnung in die Homöopathie entzünden könnte.

„Schlussfolgerung Mit der genauen Anwendung und Kenntnis der Reaktionen auf die Q- und C-Potenzen wird dem homöopathischen Arzt eine wunderbare Hilfestellung gegeben, um auch schwerste palliative Zustände zu behandeln und so manche wundersame Heilung zu vollbringen.“

Geht doch!

Frau Widmann-Mauz sollte unbedingt erfahren, welche Wunder die Vortragenden des LMHI mit einer Heilmethode, der das BMG „neutral“ gegenübersteht, vollbringen. Sie sollte auch erfahren, dass das BMG mit dieser „neutralen“ Haltung weiterhin die tödliche Beliebigkeit ermöglicht, für den der DZVhÄ und der LMHI stehen.

Weiterlesen:

Dr. Aust versucht hier und hier darzulegen, warum die von Wurster und Spinedi angeführten Studien gar nicht das Ergebnis zeigen, welches sie behaupten. Dieser Dr. Aust…

Mehr Texte zum 72. Homöopathischen Weltärztekongress in Leipzig bei den Ausrufern:

LMHI – Auf den Zahn gefühlt

LMHI – Grafologische Homöopathie

LMHI – Sanft bei Krebs

LMHI – Globuli gegen AIDS

LMHI – Homöopathischer Autismus

LMHI – Tierisch gut

LMHI – Es ist niemals zu früh

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3 Gedanken zu “LMHI – Es geht um den Wurster

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