2011/05/28 Aber HALlo

oder was ist an Bionik bio

HAL kam 1968 zum Einsatz, in Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“, eine Fiction. Heute gibt es PCs zum Wegwerfen. Die sind zwar noch nicht so intelligent wie der eigentliche Herr des damaligen Raumschiffs. Dafür aber auch nicht so machtbesessen.

Das berühmte rote Auge des HAL 9000, Autor: Cryteria Date=2010-10-01

In der Zwischenzeit hat der DECtalk DTC01 Stephen Hawking zu Sprache verholfen. Eigentlich die Menschen, die den Sprachcomputer entworfen und konstruiert haben. Aber er ist eine Hilfe. Auch beim Schreiben von Die unglaubliche Reise ins Universum.

Stephen Hawking during the press conference at the National Library of France to inaugurate the Laboratory of Astronomy and Particles in Paris and the French release of his work God created the integers

HAL ist jetzt ein „Hybrid Assistive Limb“, aber nicht nur für eine einzelne Funktion. Mithilfe der Ganzkörperkonstruktion („Robot Suit“) sollen Menschen, die nicht mehr gehen sich autonom und auf den eigenen Beinen fortbewegen können. So sieht es die Entwicklerfirma Cyberdyne Inc. in Japan.

with kind permission of derFreitag

Die allerdings dementiert, auch Erfinderin des Skynet zu sein, einem System künstlicher Intelligenz. Das hat die Weltherrschaft übernommen und richtet größte Schäden an. Hauptsächlich in den Köpfen der Zuschauer von Terminator I-IV.

Terminator medium

Die Idee von Prothesen ist nicht ganz neu. An einer ägyptischen Mumie wurde ein 3.000 Jahre alter Ersatz für einen großen Zeh gefunden. Die bekannteste Figur dürfte Kapitän Ahab/Greogory Peck sein, der mit Holzbein über sein Schiffsdeck rumpelt. Nicht sein einziges und auch nicht das wichtigste Handicap, das eher dem von HAL dem Ersten ähnelt.

Den entscheidenden Schritt vorwärts ist Oscar Pistorius gegangen. Der „Blade Runner“ genannte junge Mann, dem im Alter von 11 Monaten beide Unterschenkel amputiert wurden, bescherte dem Sport den ersten Fall von Technodoping: Seine Prothesen würden ihm einen Vorteil verschaffen. Das erste Mal, da mit künstlichen Materialien nicht nur ein Fehler ausgeglichen, sondern der Körper optimiert worden ist? Noch fehlen Vergleichsdaten, die aussagekräftig wären.

Oscar Pistorius

Das könnte sich ändern.  Am 19. Juli 2011 qualifizierte sich Pistorius auf der 400m-Strecke mit 45,07 Sek. für die Weltmeisterschaft in Daegu. Dritter seines Vorlaufs mit 45,39 Sekunden, schied er am 29. August 2011 im Halbfinale (46,19 Sekunden) aus. Die Zeit im Vorlauf hätte für eine Finalteilnahme gereicht. Ein kompletter Athlet.

Patrick Mayrhofer hatte nach einem Unfall eine zwar noch existierende, aber funktionslose Hand. Die hat er sich amputieren und durch eine bionische Prothese ersetzen lassen. Der Kick: Die Funktionen werden durch Nerven- und nicht durch Muskelimpuls gesteuert.

i-Limb Hand

Das beschert der Welt ein greifbares Bild zu „Converging Technologies“, was mehr sein kann als nur unsportliches Dopen, sondern „Human Enhancement“. „Transhumanismus“ wird die Bewegung genannt, die die Transformation des Menschseins mithilfe von Technologie für erstrebenswert hält. Ein bisschen viel Last auf den schmalen Schulter von jemandem, der nur sein Hemd wieder selbst zuknöpfen will.

Gerade (18.05.2012) lese ich, dass eine Frau mit ihren Gedanken einen Roboterarm lenkt. Und zwar über Elektroden in der Gehirnrinde. Nature berichtet: „The study participants — known as Cathy and Bob — had had strokes that damaged their brain stems and left them with tetraplegia and unable to speak. Neurosurgeons implanted tiny recording devices containing almost 100 hair-thin electrodes in the motor cortex of their brains, to record the neuronal signals associated with intention to move. … The neuroscientists are working closely with computer scientists and robotics experts. The BrainGate2 trial uses two types of robotic arm: the DEKA Arm System, which is being developed for prosthetic limbs in collaboration with US military, and a heavier robot arm being developed by the German Aerospace Centre (DLR) as an external assistive device.“

Ganz anders die „grandiose Robert-Downey-Ein-Mann-Schau“ in Iron-Man. Exoskelette gegen das Böse, die den Trägern zu neuen An- und Einsichten verhelfen. So muss Rittertum entstanden sein.

Der Biochemiker Isaac Asimov formulierte 1942 die drei Gesetze der Robotik: 1) Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zu Schaden kommen lassen. 2) Ein Roboter muss den Befehlen eines Menschen gehorchen, es sei denn, solche Befehle stehen im Widerspruch zum ersten Gesetz. 3) Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange dieser Schutz nicht dem Ersten oder Zweiten Gesetz widerspricht.

à propos Sensorik – Mensch vs. Maschine: Computer-Köche

Aber ein Computer kennt keinen Ekel

Mehrere Medien haben unlängst davon berichtet, wie sehr Isaac Asimov prophetisch gewesen sein soll. Anlass: Die höchst unterhaltende Vorstellung des Biochemikers und 1964 bereits profilierten Science-Fiction-Autors („I, Robot“ u.a.) über den Besuch einer Weltausstellung 50 Jahre später.

Unabhängig davon, ob die durchaus vernünftigen Extrapolierungen eines Naturwissenschaftlers nur deswegen als Wahrsagung gehandelt werden, dass man auch 2014 nach wie vor mehr auf die Beschränkungen des Jetzt starrt, als auf künftige Möglichkeiten – Asimovs „Foundation-Trilogie“ bietet jede Menge Kulinarisches.

Wie etwa zur Frage, was wie woanders im interstellaren Maßstab gegessen wird.  Höhepunkt das per Knopfdruck aus einer Klappe erscheinende Menü, das dem Gast vom fernen Planeten keinen Wunsch offen lässt. Dagegen ist Running-Sushi eben nur Fließband und ausschließlich etwas, was für japanisch, nur ohne Brimborium gehalten wird.

Die Frage stellt sich umgekehrt: Ab wann ist Mensch Maschine? Der Ausgleich physischer Defekte vermittels Prothetik ist mittlerweile bei der Sensorik angekommen, wie es das Beispiel von Patrick Mayrhofer zeigt: „Ich kann mir wieder das Hemd zuknöpfen.“ Ist nicht etwa „Unser Freund, der Roboter“ bereits der Kompagnon für Alleingelassene? Wäre es dann so fern, gustative Papillen zu kreieren und mit dem kulturellen Programm auszustatten, was als Ekel oder nicht im jeweiligen Ess-Kulturkreis aufgefasst wird? Beim Menschen nennt sich das nur anders, Erziehung.

Natürlich alles Science-Fiction. Als Asimov seinen Artikel schrieb, waren grob gerechnet Steve Jobs, Bill Gates und Tim Berners-Lee 9, Steve Wozniak 14 Jahre alt. Und der PC noch nicht einmal Ursuppe. That’s ziemlich human (der Freitag, 05.04.2014).

Wir sind mitten in der Handlung. Wie könnten wohl die Gesetze der Humanik lauten?

Und lassen Sie sich nicht von „Blade Runner“ beeindrucken. Der war in Wirklichkeit der einzige vollständig Biologische unter lauter Replikanten.

e2m, 28. Mai 2011

[update, 10:30 Uhr: Gerade lese ich „Auf den Spuren unseres Denkens“ im SZ-Magazin. Das dürfte Teil der Fragestellung sein]
[editiert am 03.09.2011, 13:00 Uhr]
[editiert am 18.05.2012, 21:00 Uhr]
[editiert am 06.04.2014, 01:30 Uhr, Computer kennt keinen Ekel]

Ein Gedanke zu “2011/05/28 Aber HALlo

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