2012/03/21 Chefsache bei Freitag

2012/03/21 Jakob Augstein hat eine neue Chefredakteurin. Das „-in“ stellt er in der Presseerklärung besonders heraus, als ob es an dem Namen Jana Hansel nicht abzulesen wäre. Mehr Frauen als Männer auf Chefposten ist immerhin eine nette Ironie des Chefs. Vielleicht hat das mit Qualität zu tun. Daher geschrieben an diesem Tag:

Liebe Jana Hansel,
lieber Jakob Augstein,

vor allen, lieber Jörn Kabisch!

dieser Leser freut sich natürlich, wenn die journalistische Kompetenz eine angemessene Fortsetzung findet und der etwas andere Blick des „Freitag“ bewahrt bleibt. Das wurde u.a. in „Pastor der Unfreiheit“ deutlich gemacht und war die Visitenkarte. Mehr davon.

Gleichzeitig fragt sich dieser Blogger, was dies für das interaktive Projekt des „Freitag“ bedeuten mag, und diese Frage betrifft ihn naturgemäß ganz persönlich.

Was auch immer nun unter „Redakteur für besondere Aufgaben“ zu verstehen sein mag, mit dem sein Name schon seit einiger Zeit im Impressum verbunden ist: Jörn Kabisch hat sich nicht nur mit seiner Kolumne um das Kochen verdient gemacht, die stets auch zum virtuellen Mitkochen wie am Köcheln halten animiert hat – ohne dass dabei etwas zu blau geraten oder zerkocht wäre.

Jörn Kabisch hat vielmehr ein sehr persönliches, ein beherztes Log geschrieben, das mit den tags „freitag“ „intern“ eigentlich schon alles sagt. In diesen losen Beiträgen hatte der stellvertretende Chefredakteur der Zeitung die sich bildende Blogosphäre des „Freitag“, dieses Biotop wie es manche nennen, zu seiner Sache gemacht. Damit wurden die BloggerInnen selbst zum Internum, zur ureigenen Angelegenheit bei freitag.de. Wer wollte, konnte das lesen. Wer will, kann das immer noch lesen; das Net vergisst nicht.

Das war pointiert, das ging zuweilen bis an die Grenzen der Belastbarkeit, denn tatsächlich wurde in diesem „Mein Logbuch“ Kabischs Intention deutlich: Ausloten, was geht, Prämissen schaffen, Selbstverständlichkeiten aus Sicht des Journalisten und Zeitungsmachers vermitteln, damit – damit was?

Damit BloggerInnen auf den Seiten des der „Freitag“ beginnen, sich selbst Fragen zu Verständnis, Selbstverständnis und Rolle in einem Projekt zu stellen, das als einzigartig lanciert worden ist. Denn bei freitag.de zu bloggen ist mehr als nur die Summe aus „wordpress“ plus Zuckerl, den eigenen Beitrag im Paper abgedruckt zu sehen.

Jörn Kabisch hat sich in dieser Zeit, ähnlich wie Jakob Augstein, angreifbar gemacht. Nur tat er es als stellvertretender Chefredakteur und ganz entgegen des landläufigen Bildes des teflonbeschichteten Journalisten, der nichts an sich heranlässt. Und genau mit dieser höchstpersönlichen Auslegung von Chefsache das Projekt voran gebracht.

Denn hier war zum ersten Mal spürbar, geradezu greifbar wie Verzahnung zwischen Redaktion und BloggerInnen funktionieren könnte. Es war die Konstellation, die diesen Blogger dazu gebracht hat, bei der „Freitag“ zu schreiben.

Die Konstellationen haben sich in der Zwischenzeit deutlich verschoben. Hohe Zeit also an dieses Kapitel zu erinnern, nicht nur aus Anlass. Und für dieses buchstäblich geschriebene Kapitel Jörn Kabisch zu danken. Dieser Blogger tut es. Danke!

Verbunden mit dem besten Wunsch an die neu formierte Redaktion: Viel Glück!

Ihr e2m

[Vervollständigung: In den letzten Tagen wurden bei freitag.de sowohl der eingangs verlinkte Beitrag von Jakob Augstein, die darunter befindlichen Kommentare sowie nacheinander weitere Blogs und Kommentare editiert, gelöscht und mindestens ein User gesperrt. Die Tatsache, dass Jakob Augstein einen eigenen Blog, der eigentlich nur die Wiederholung einer Pressemitteilung war, gelöscht hat, ist Indiz, dass eine Grenze überschritten wurde – die zur Beschädigung der neuen stellvertretenden Chefredakteurin des Freitag. Die implizite Zuweisung von Verantwortung dürfte mit Blick auf den Relaunch der Blogplattform wie für die Frage des künftigen Zugangs zur Plattform von Bedeutung werden. 2012/03/29 e2m]

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