2011/09

2011/09/20

Als ich den Artikel „Neues vom Caesar“ zu schreiben begonnen habe, bin ich von einem anderen Konzept ausgegangen:

Die Überlieferungen zu den letzten Regierungsjahren des Tiberius (Iulius Caesar Augustus, 42 v.Chr. – 37 n.Chr.) sind ziemlich eindeutig: Als Lustgreis habe er sich in seiner Villa auf Capri niedergelassen, aber darauf das Regieren nicht vergessen. Der Senat habe dagegen feststellen müssen, dass er, nach damaligem Verständnis die Volkvertretung (Senatus Popolusque Romanus) kaum mehr Rechte besaß und die Curia Iulia in Rom so besehen nicht mehr der Nabel der Welt war.

Natürlich kann behauptet werden -und das tut die heutige Geschichtsforschung in Teilen-, das seien böse Gerüchte. Sämtliche Verfasser solcher biographischen Exkurse sind erst nach dem Tod des Kaisers geboren und unterlagen, weil ihrerseits unter einem wenig zimperlichen Potentaten wirkend, dem Gebot, ihre Gönner und Zeitgenossen zu überhöhen, indem sie deren Vorgänger niederschrieben.

Silvio Berlusconi, seines Zeichens Chef der italienischen Exekutive, wird dieses posthume Schicksal nicht erfahren. Seine privatesten Gesta sind seit Wochen in den Zeitungen zu lesen. Nicht aber als mittelbare Ableitung aus Indizien, sondern mit eigenen Worten. Und die lassen keinen Zweifel daran, was der Neopotentat unter Hofhaltung versteht, was er von den von ihm Regierten hält, wie er sich zu ihnen verhält…“

Es sind mir dann die Piraten dazwischen gekommen, die mit ihrem Wahlerfolg in Berlin ein Programm zur Umsetzung stellen, das zu den Intentionen des italienischen MP konträrer nicht sein könnte. Und konsequent zu Ende gedacht dem Anliegen eben dieser Person, jegliche Meinung zu monopolisieren und zwar als Politiker und Medienunternehmer, die Geschäftsgrundlage entzöge. Einem Geschäftsmodell, das so antik ist, wie die Ruinen der Fori Imperiali in Rom. 2011/09/20 e2m

 

2011/09/07

Italien – Eine interessante Auslegung von Meinungsfreiheit in Italien war hier kürzlich Gegenstand einer etwas längeren Betrachtung („Amtsanwalt zensiert, Volk liquidiert“). Das zweierlei Maß einer Ministerin, die kraft Amtes das Image Italiens aufzupolieren hätte, ist die selbstverständliche Begleitmusik.

Wer das allerdings schwarz auf weiß haben will, liest sich am besten die Geschichte zu Aldo Patriciello durch, EU-Abgeordneter und Parteikollege von Frau Brambilla im Popolo della Libertà (Volk der Freiheit, sic!). Der wollte partout ein Knöllchen nicht zahlen und beleidigte deswegen eine Politesse. Dem fälligen Strafverfahren wollte er sich durch Berufung auf seine angebliche Immunität als Euro-Parlamentarier entziehen, was das italienische Strafgericht veranlasst hat, diese Grundsatzfrage dem Europäischen Gerichtshof vorzulegen.

Sachverhalt und Urteil sind sehr schön im Verfassungsblog dargestellt: „Politessenbeschimpfung ist auch für Abgeordnete strafbar

Wer in den eigenen Reihen schon die Botschafterin eines „besseren Italien“ hat, dürfte möglicherweise, aber irrig meinen, so etwas wie diplomatische Immunität gelte für jede(n), für die im Parteibuch das Wort „Freiheit“ steht. So entstehen Legenden. e2m

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