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Gunnar Kaiser, vom Tierschützer zum Menschenverächter

Vergleiche – Worin das Skandalon eines Vergleichs des Umgangs mit Tieren und dem Holocaust besteht! Eine Nachschau im „intellektuellen“ Sumpf von sogenannten Tierrechtlern

Über Gunnar Kaiser lässt sich nicht sagen, es sei ungeschickt. Im Gegenteil: Gleich mit der Überschrift des jüngsten Elaborats vom 1. Mai 2014 in seinem Blog, den er sinnigerweise als „der intellektuelle“ betitelt, erteilt er eine Lektion in Memetik.

Denn nicht nur nennt er darin zwei spezifische Menschengruppen und das „Tier“ in einem Atemzug und stellt damit eine gewollte Beziehung untereinander her. Sondern nötigt jeden, der sich mit dem Stück beschäftigen wollte, zur Zitierung eben dieser Überschrift und folglich zur (un)freiwilligen Verbreitung des vom Autor herbei geschriebenen, unsäglichen Zusammenhangs. Der Verfasser dieser Zeilen tut dem Kaiser in der Hinsicht den Gefallen nicht.(*)

Die zweite Grobschlächtigkeit folgt einem sehr deutschen Muster, dem der Pönalisierung. Nachdem sich die Menschen im letzten Dutzend Jahren immer schneller daran gewöhnen durften, beinahe jede Form von sozialer Ordnung auch mit Strafrecht bewehrt zu sehen und sich sogar in Teilen freudestrahlend darin eingerichtet haben, muss dies nun auch mit Blick auf: Ja, eigentlich was? geschehen.

Die Tötung von Tieren sei jedenfalls Mord, so zitiert der Autor nicht näher spezifizierte Tierrechtler (sic!) gleich im Anschluss an eine längliche Betrachtung zu Hannibal the Cannibal. Denn die Beweggründe für die Tötung seien immer niedrig und das sei eben ein gesetzliches Mordmerkmal.

Nun könnte man sich noch in Maßen darüber amüsieren, Hunger als „niedrigen Beweggrund“ anzusehen. Denn bereits da scheint der Blickwinkel des satten Bürgers durch, der so etwas wie Hunger und damit deren Leider der Heimtücke zuordnet.

Dass Hunger vor deren Tod die daran Leidenden erst unsäglich quält, davon kann der Autor naturgemäß nicht schreiben. Dementsprechend auch nicht darüber, dass die, die an KZ-Rampen nicht ohnehin sofort aussortiert und getötet wurden, mit systematischem Nahrungsentzug bei gleichzeitig härtester körperlicher Arbeit vorsätzlich zu Tode gefoltert wurden.

Der Grund liegt aber nicht nur in dessen Sattheit, sondern in dem moralischen Wahn des Autors, der die Strafwürdigkeit ebenso wie die Verabscheuung menschlichen Verhaltens an der davon verseuchtesten Strafnorm im deutschen Rechtsuniversum misst. Wäre tatsächlich dieser § 211 StGB (Synopsis), der von der Bestie Freisler formuliert worden, am 15. September 1941 in Kraft getreten und als Richtbeil „völkischen“ Rechts gebraucht worden ist, der Maßstab für „Massenmord“ und „Holocaust“?

Der Vorsitzende des 2. Strafsenats am Bundesgerichthof, Thomas Fischer, hat das in der Zeit („Völkisches Recht“) vergangenen Dezember so geschrieben: „Man wollte nicht ‘Tatbestände‘ schaffen, sondern ein genuin nationalsozialistisches Strafrecht, einen Ort voller Symbolik und Kraft.“  Und zu den „niedrigen Beweggründen“: Sie sind „das erbärmlichste, unglaubwürdigste, dehnbarste aller Mordmerkmale, frisch geblieben über 70 Jahre. Sie sind, so heißt es, Motive, die ‘auf sittlich niedrigster, verachtungswürdiger Stufe stehen‘.“

Fischers Folgerung teile ich in jeder Hinsicht: „Die Selbstgewissheit, mit der wir dabei über selbst definierte ‘Niedrigkeit‘ menschlicher Motive urteilen, erscheint mir seit Langem unheimlich.“

Was die Sichtweise der Täter im Abstand der Jahrzehnte anstellt, ist in Kaisers Elaborat voller Symbolik zu besichtigen: Die ebenso interessensgeleitete wie gezielte Aussonderung von Menschen als „Mörder“ dafür, dass sie ihren Hunger stillen – nicht etwa anhand irgendeines fragwürdigen Vergleichsmaßstabes, sondern als ausdrückliches Ziel einer Distinktion, die bereits die normative Selektion ist. Täterrecht ist das, das ansetzt, sich abermals schuldig zu machen.

Hierfür Adornos Minima Moralia anzuziehen, die dieser Szene ohnehin nur als Steinbruch für Aphorismen und ohne jedes Verständnis dienen, ist damit genauso zynisch, wie die Zeugenschaft von Singer zu berufen. Dessen „compassion“ ist das „Mitleid“ Schopenhauers. Der eine wurde, die beiden anderen werden nun vereinnahmt in einer Botschaft, die sich gegen „den“ Menschen wendet, gegen ihn gerichtet ist.

Der Zynismus ist gewollt: Denn der, den Kaiser mit Shylock präsentiert, ist nicht etwa „der“ Jude, sondern das was sich bestenfalls Ignoranten, ansonsten Antisemiten bis in unsere Tage hinein als Juden vorstellen. Über diesen wird eine, zumal auf Konflikt gerichtete, Scheinrechtfertigung eingeführt. Den imaginierten Phänotypen „des“ Behinderten spart sich der Hersteller des Traktats gleich ganz.

Der krude Kreis Kaiser’scher Vorstellungswelten ist damit geschlossen. In ihm findet seine Vorstellung von „Tier“ Platz, für das er sich zum Sachwalter aufschwingt, aber bereits nicht mehr der Mensch, wenn der sich dem Urteil nicht beugt: Da herrscht tatsächlich dann die soziale Anthropophagie dieses Neo-Hannibal.

Kaiser ist eigenen Angaben zufolge Lehrer und öffentlich Bediensteter, er schreibt neben Blogs auch didaktisches Material. DAS macht Angst! e2m

(*) Kaiser hat die Überschrift mittlerweile geändert. Wohl auch, weil er wegen des Blogs bei der Bloggerplattform freitag.de/community der Wochenzeitung ‘der Freitag‘ rausgeflogen ist. Aber das Original ist immer noch in der URL lesbar und wird weiter transportiert.

5 Gedanken zu “Gunnar Kaiser, vom Tierschützer zum Menschenverächter

  1. Danke! Mir ist noch einmal klarer geworden, was mir an dem Kaiser-blog im FREITAG aufstieß. Und wenn ich eher begriffen hätte, dass Kaiser I.B. Singer herbeizitiert und nicht, wie ich, mangelhafte Aufmerksamkeit geschuldet, den anderen Singer, dann wäre es mir noch übler geworden.

    Gewundert hat es mich, dass der blog im Freitag gelöscht wurde. Bediente er doch, wie sich im Kommentar und einem nachgereichten blog zeigte, eine unter Freitagsbloggern gar nicht so ganz seltene (verdeckte) Grolleinstellung des Verbiegens und Verschwurbelns historischer Gegebenheiten, die sie so gern verniedlichen und deren Opfer klein machen wollen.

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    1. Guten Abend, Hardob
      Immerhin hatte die Löschung einen erzieherischen Effekt, Kaiser hat wenigstens die Plakativität seiner Aussage überdacht. Das ist für einen Lehrer schon mal ein, wenn auch sehr kleiner Fortschritt. In der Sache selbst hat er nichts editiert.
      Groll ist ohnehin ein sehr schlechter Ratgeber.
      Zur Nacht, e2m

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  2. Heute gibt es einen Rindsbraten mit Spätzle aus vielen Eiern.
    Haustiere, die von den Menschen in Tausenden von Jahren gezüchtet wurden, sind Kulturgut.

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  3. Wenn mir im Moment was auf den Keks geht, sind es Tierschützer, besser gesagt Tierrechtler, die uns alle missionieren wollen […]

    Anmerkung: Der Rest des Kommentars ist editiert und wird nicht veröffentlicht. Es wird höflich darum gebeten, von justiziablen Äußerungen Abstand zu nehmen. e2m

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