2012/02 – Projekt: Homöopathie und Ich

[Auf dieser Seite wird nach und nach jeder Teil der Serie „Homöopathie und Ich“ hinzugefügt, so dass Leser, die das wünschen, den Text am Stück lesen können]

Prolog

In dieser Serie möchte ich eine kleine Reise machen, die dem Leser die Möglichkeit bietet, nachzuvollziehen, warum mich das Thema Homöopathie beschäftigt. Wir beginnen im Wurzelchakra und werden im Kronenchakra ankommen, wobei es im Laufe der Reise immer anstrengender werden wird, mir zu folgen.

1.Teil

Anfang

Es war kurz vor Weihnachten und draußen dunkel. Wir, das waren meine Geschwister und ich, hatten ein Problem. In unserem Zimmer lagen wir unter dicken Decken und berieten darüber, ob der Weihnachtsmann den Unsinn gesehen haben mochte, den wir gerade gemacht hatten. Ich war gerade in der Schule, meine Geschwister kleiner als ich. Von Oma wussten wir, der Weihnachtsmann sieht alles. Heiligabend zeigte sich, der Weihnachtsmann hat entweder schlechte Augen oder ein schlechtes Gedächtnis. An Ostern des folgenden Jahres erfuhr ich, dass es ihn nicht gibt, als ich meine Eltern beim Eier färben erwischte.

Als Katholik in der Diaspora hat man den Vorteil in einem sehr kleinen Klassenverband die Geschichte der Entstehung der Welt beigebracht zu bekommen. Sechs Tage hatte Gott gebraucht für diesen hübschen Planeten, so las es uns der Lehrer vor. Von meinem Vater wußte ich jedoch und das teilte ich dem Lehrer mit, die Erde ist ca. 3,5mrd Jahre alt und in einem Urknall entstanden. Ich war 8. Das sei wohl richtig, sagte der Lehrer, aber irgendwer musste die Explosion und alles was danach gekommen war doch kontrolliert und gelenkt haben. Gott war also, anders als der Weihnachtsmann, vorerst noch nicht aus dem Rennen.

In den Urlaub fuhren wir meist in die nähere Umgebung, denn Gott hatte viele Kinder und wenig Geld für meine Eltern vorgesehen. Und so waren wir mit Freunden und deren Familie auf Neuwerk, wo ich mich während eines Spaziergangs mit einem von ihnen über den Tod und das danach kommt unterhielt. An Gott und den Himmel, so mein erwachsener Gesprächspartner, glaube er nicht, an ein „Danach“ aber schon. Mit dem Leben sei es wie mit einem Streichholz: Wenn man das ausblase sei die Energie ja auch nicht weg, sondern nur verteilt. Die Aussage ist auch erst mal schlüssig, wenn man seine erste Dekade hinter sich gebracht hat. Gott war allerdings gerade dabei, mit dem Weihnachtsmann einen Club der ehemaligen, imaginären Freunde zu gründen.

Diverse Zeltlager, Teestuben, Chorproben, Messen und eine Firmung später sprachen wir im Biologieunterricht über Speichel und dessen Eigenschaften. Mein Beitrag, Speichel sei desinfizierend, so befand der Lehrer, sei falsch. Damals war ich natürlich enttäuscht. Zum einen darüber, eine falsche Antwort gegeben zu haben. Zum anderen darüber, dieses Wissen von meinem Vater bekommen zu haben. Speichel ist, so weiß ich heute, antibakteriell, was etwas anderes bedeutet als desinfizierend. Mein Biolehrer hatte also faktisch Recht, didaktisch eher nicht.

Bei uns zu Hause galten Ärzte nicht viel. Das waren alles Quacksalber, zu denen ging man nur, wenn es gar nicht anders ging. Anders war das mit Heilpraktikern, die hatten einen guten Ruf. Bis heute ruft der Begriff „Heilpraktiker“ bei mir ein wohliges Gefühl hervor, eine Art Schnurren im Limbischen System, wenn es auch mittlerweile von einem Schauer begleitet wird. Ich war übrigens nicht geimpft, gegen Masern und Windpocken, sondern genoss eine natürliche Feiung und das war auch nicht schlimm, denn Krankheiten selbst durchzumachen, ist schließlich gesund. Gut fürs Immunsystem und so.

Mit dieser Meinung (und mehr ist es nicht) begann ich meine Pflegeausbildung, wo mich meine MitschülerInnen in dem Glauben bestärkten. Impfen habe ich mich trotzdem lassen, Hepatitis B erschien mir letztendlich doch eine Nummer zu groß für mein Immunsystem. Ich erinnere mich außerdem an eine Unterrichtsstunde, in der ich gegenüber dem Lehrer, der uns Naturwissenschaften beibringen sollte (und einen guten Job machte) die Meinung vertrat, wenn man etwas nicht testen (oder messen) könne, hieße das noch lange nicht, dass es das nicht gäbe. Es ging, heute schäme ich mich ein wenig dafür, um Wünschelruten und Wasseradern.

Während meiner Ausbildung hörte ich zum ersten Mal von der Craniosakraltherapie und eine Schwester, die sich damit auskannte, hatte ein hervorragendes Händchen bei der Pflege von Säuglingen. Die waren immer ruhig und entspannt bei ihr. Vom Konzept der sich bewegenden Schädelknochen erfuhr ich erst gegen Ende der Ausbildung und ich hinterfragte es nicht, da mir die Dame, die mir davon erzählte, geholfen hatte. Allerdings hat sie meinen Kopf nicht berührt sondern mir Dehnübungen gezeigt. Die Mutter einer Freundin gab mir für eine Sportverletzung, einer Überlastung bei zuviel Training, Globuli. Auf meine Frage, wie die denn helfen würden, sagte sie, die könnten vielleicht Einfluss auf den Stoffwechsel der betroffenen Zellen haben. Na dann! Das hörte sich irgendwie schlüssig an.

In meinem Studium lernte ich in den ersten beiden Semestern vor allem etwas darüber, wie es in unseren Zellen so abläuft. Membranen, Moleküle, Wechselwirkungen, Regelkreise, DNA. So Kram eben. Es war ein solides Fundament für alles, was danach kommen sollte. Als ich zwei Semester später in einem Wahlpflichtkurs saß, in dem Ähnliches behandelt wurde wie in den ersten zwei Semestern, wurde dort an einigen Stellen schon etwas anderes gelehrt, als ich es noch in der Klausur vor einem Jahr hatte beantworten müssen.

All das soll zeigen, dass ich weiß, wie es ist, sich zu irren. Ich weiß, wie es ist und es macht mir nichts aus, mich zu irren. Mich zu irren ist immer auch die Chance, etwas Neues zu lernen.

Irgendwann sah ich einen Aushang in der Uni, der eine Homöopathie-AG für Studenten anbot. Das fand ich interessant, denn Pflanzenheilkunde war mir von Haus aus sympathischer als Pillen. Die AG kam nicht zustande und so blieb mein Wissen über Homöopathie weiterhin nebelig und andere Dinge waren interessanter und vor allem drängender. Prüfungen unter anderem.

Und dann kam dieser Artikel online, im Januar letzten Jahres, in dem tatsächlich jemand behauptete, es gäbe kein HIV und AIDS sei hervorgerufen von den Medikamenten gegen HIV. Und überhaupt, Viren die krank machen, gäbe es sowieso nicht. Heilpraktiker war der Autor und klassischer Homöopath. Aha. Was auch immer das heißen sollte. Mein Limbisches System brummte leise vor sich hin, doch mein Kortex begann zu rebellieren.

Im nächsten Blog stellte der Autor dann seine Profession vor: Die Homöopathie. Ich las den Text und fand die Aussagen nicht sehr schlüssig, war jedoch noch der Meinung, der Autor habe wahrscheinlich von Homöopathie so wenig Ahnung wie von Viren. Aus der Motivation heraus, ihn ein wenig zu ärgern, ging ich ins Netz und die Bibliothek und las mir Wissen zur Homöopathie an. Und tauchte damit in eine Welt ein, deren Existenz ich bis dahin nicht für möglich gehalten hätte. Zuerst einmal erfuhr ich jedoch: Homöopathie ist gar keine Pflanzenheilkunde, Homöopathie ist esoterischer Unsinn. Ich hatte mich geirrt. Mal wieder. Und im nächsten Teil wird es um das Ausmaß dieses Irrtums gehen.

2. Teil

Im ersten Teil habe ich einige Stationen des Weges aufgezeigt, der mich dahin geführt hat, wo ich nun stehe und der dazu geführt hat, dass ich mich mit Homöopathie und Alternativmedizin beschäftige. Mein Weg begann, wir erinnern uns, damit, dass ich jemanden ärgern wollte.

Um Homöopathie zu verstehen, dachte ich, ist es am besten, die Gedanken ihres Gründers zu nachzuvollziehen: Samuel Hahnemann. In Anbetracht seines Todes und ganz praktischen Problemen mit der Streichholztheorie nahm ich mir seine Schriften vor und fand „Allopathie: Ein Wort der Warnung an Kranke jeder Art“ hilfreich. Dort schreibt Hahnemann, und jeder Zeile ist seine Verzweiflung anzumerken, über die schädlichen Methoden der „Medizin alter Schule“, dort würden nur Symptome behandelt und bei der Verabreichung von Arzneien fehle Systematik. Er schreibt, Ärzte der „alten Schule“ suchten nicht nach dem „Urgrund“ einer Erkrankung, sonder stümperten nur mit „Pfuschkuren“ herum.

Damals, 1831, hätte ich Homöopathie fast jeder „Medizin alter Schule“ vorgezogen und wärewahrscheinlich gut damit gefahren. Doch obwohl Hahnemann ein guter und kritischer Beobachter war, blieb er auch immer Kind seiner Zeit. Er schreibt von einer Lebenskraft, von Psora und Miasmen. Das sind heute weitgehend aus der Medizin verschwundene Begriffe, weil sie nicht mehr benötigt werden. Rudolf Virchow und Robert Koch haben, unter vielen anderen, dafür gesorgt. Es handelt sich also bei Miasmen, Lebenskraft und Psora um seit fast 200 Jahren überholte Konzepte. Doch Hahnemann könnte noch heute auf der Stelle Homöopath werden, gäbe es nicht das Streichholzproblem. Koch und Virchow müssten vorher nochmal 6 Jahre zur Uni gehen.

Nach der Hahnemannlektüre machte ich mich auf die Suche nach Aktuellerem und traf unweigerlich auf Edzard Ernst, einen emeritierten Professor für Alternativmedizin der Universität Exeter. Der sagt, in über 10 Jahren Forschung habe er keinen Hinweis auf eine Wirkung der Homöopathie über den Placeboeffekt hinaus feststellen können. Im Lancet war 2005 eine Metaanalyse erschienen, deren Aussage das bestätigte, nicht die erste ihrer Art. Im Editoral war das Ende der Homöopathie bereits ausgerufen worden, bevor ich überhaupt wusste, worum es sich dabei handelt. Das Streichholz der Homöopathie erweist sich als sehr langlebig.

Die Augen aus dem Kopf sind mir dann gefallen, als ich den Donnerreport las. Dort beschreibt Fritz Donner, ein Homöopath alter Schule, wie 1936-’39 versucht wurde, Homöopathie zu belegen, wobei es erst einmal darum ging, ihr ein Fundament zu verschaffen. Die Arzneitmittelbilder, welche die Grundlage der homöopathischen Behandlung bilden, sollten bestätigt werden. Doch es zeigte sich, dass es im Grunde egal war, ob man den Menschen Placebos oder echte Homöopathie gab. Wichtig waren die Informationen, die ihnen zu den Mitteln gegeben wurde. Fritz Donner, der bis zu seinem Lebensende Homöopath war, gab dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte DZVhÄ den Auftrag, sein Werk fortzusetzen und die Homöopathie systematisch zu erforschen.

Nach allem, was ich bisher gelernt hatte, war ich wirklich erstaunt, eine nicht kleine Anzahl von Ärzten zu finden, die noch mit Begriffen wie Psora, Miasmen und Lebenskraft hantieren. Als ich diese Begriffe in einen Kongressbericht las, wurde mir anders. Dort ging es um die Behandlung „schwerer Pathologien“, unter anderem Homöopathie bei Krebs. Vor allem ein Zitat fiel mir dabei ins Auge. Das Prinzip homöopathischer Krebsbehandlung, hieß es dort, ließe sich mit folgenden Worte Emil Schlegels (1852 – 1934) zusammenfassen:

„Leidende (…) müssen sich auf die Behandlung in vollem Maße geistig einlassen. Sie dürfen absolut nicht an die Unheilbarkeit des Zustandes glauben; auch ist ihnen nicht damit gedient, dass sie nur Linderungsmittel verlangen, es muss mit Entschlossenheit und Hingabe eine volle Heilung angestrebt und betrieben werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass auch in scheinbar hoffnungslosen Fällen doch überraschende Wendungen eintreten können, niemals aber lässt sich bestimmt vorhersagen, was noch möglich ist.“

Die Entwicklung der Palliativmedizin scheint an den Autoren vorbeigegangen zu sein. Für mich steckt in diesem Satz wenig Menschlichkeit, um es höflich auszudrücken. Vor dem in diesem Satz ausgedrückten Menschenbild graust es mir. Patriachalisches, magisches Denken mit der Begründung für einen Misserfolg immer inklusive: Die erkrankte Person hat es im (Ur)grunde nicht anders gewollt.

Obwohl sich Homöopathen noch an seit Jahrhunderten veralteten Begriffen festhalten, fand ich immer wieder einen modernen Begriff, den sie unter ihre Fittiche genommen haben. So auch in diesem Kongressbericht.

„Stark reduziert bedeutet die Newton’sche Gesetzmäßigkeit ‚Wenn … dann …‘, die Quantengesetzmäßigkeit ‚Alles ist möglich.‘ Es ist auch ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass diese Reduktion weder auf eine ‚Zwangsläufigkeit‘ noch auf eine ‚Beliebigkeit‘ hinausläuft.“

Ich frage mich häufiger, was Hahnemann wohl zur Homöopathie im 21. Jahrhundert sagen würde, lag ihm doch, wie auf der Site der Emil Schlegel Klinik zu lesen ist, daran, die „ärztliche Praxis auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen.“ Von Quanten hat er nichts geschrieben.

Wie wichtig eine wissenschaftliche Grundlage ist, dämmerte mir jeden Tag während eines Praktikums im Krankenhaus, als ich Kollegen und mich beobachtete. Die Beschäftigung mit der Homöopathie hatte mir gezeigt, wie leicht es ist, sich selbst in Sicherheit zu wiegen, wenn man der Meinung ist, Nützliches zu tun. Jede Pille die ich verschreibe, muss ich hinterfragen und werde doch, weil ich ein Mensch bin, eher davon ausgehen, meine Pille und nicht irgendetwas anderes habe geholfen. Ohne Wissenschaft sind Ärzte, wenn nicht blind, so doch sehr kurzsichtig. In einer gewissen Art macht mich dieses Wissen demütig, denn mir wird immer klarer: Ohne die Arbeit 1000er Frauen und Männer vor mir wäre all mein Wille, der Gesundheit meiner Mitmenschen zu nutzen, sinnlos. Ich will kein erloschenes Streichholz in der Hand halten und behaupten, es würde brennen.

Im nächsten Teil geht es um eine weitere Entdeckung, die ich gemacht habe und darum, was andere von Homöopathie halten.

3. Teil

Im 1. und 2. Teil ging es um meine ganz persönliche Entdeckungsreise und was ich auf dieser über Homöopathie gelernt habe. Nun geht es noch einen Schritt weiter. Oder zwei.

Während der Recherche zu Studien, die aussagten, Homöopathie wirke in der einen oder anderen Form (auf Menschen, Zellen, Mäuse, Ratten, Pflanzen, Eiskristalle), präsentiert während Diskussionen, bin ich irgendwann auf die Seiten von Science Based Medicine (SBM) gestoßen. Das liegt auch daran, dass es im deutschsprachigen Netz weniger Menschen gibt, die sich in der Intensität (kritisch) mit dem Thema auseinandersetzen.

Bei diesen Recherchen hatte ich viel Freude daran, mich intensiv mit einer Studie auseinanderzusetzen um sie am Ende zu knacken. Ich erfuhr von so vielen Arten, auf die man Studien manipulieren kann. Einige ziemlich einfach, andere schwer zu erkennen, wenn man nicht weiß, worauf man achten muss. Und fast allen Tricks bin ich in Studien zur Homöopathie begegnet. Vermutlich haben sich die Durchführenden das bei den Großen der Branche abgeschaut, Big Pharma und Big Water Hand in Hand.

Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich mit dem Titel der Seite beschäftigt habe. Wie ich dann erfuhr, ist dieser bewusst gewählt, um sich von Evidence Based Medicine (EBM) abzugrenzen. In der EBM wird versucht, im Rahmen von Behandlungen, patientenorientierte Entscheidungen nach Möglichkeit auf der Grundlage von empirisch nachgewiesener Wirksamkeit zu treffen. Um diese Wirksamkeit nachzuweisen werden klinische Studien durchgeführt. Die Autoren des Blogs sind der Meinung, die Kritierien von EBM reichten nicht aus, um von der bestmögliche Behandlung für Menschen zu erfahren. Denn wenn ein Verfahren nicht in einer Doppelt-Verblindeten-Randomisierten Studie, der höchsten Evidenzstufe, bestehen kann, geht man einfach ein oder zwei Evidenzklassen herunter und designed sich eine passende Studie.

Dabei wurde mir vor Augen geführt, dass ein Verfahren, welches nicht schadet (wie die Homöopathie), mindestens so gut ist wie eine Behandlung mit Placebo. Es bedarf somit nur einiger kleiner Veränderungen am Studiendesign und schon sieht die getestete Behandlung besser aus als Placebo. In einer Studie, die untersuchte, ob Homöopathie gegen Durchfall hilft, kann es zum Beispiel ‚passieren‘, dass die Älteren und schwereren Kinder in die Homöopathiegruppe kommen. Die erholen sich schneller und schon empfiehlt die Carstens-Stiftung Homöopathie bei lebensgefährlichem Durchfall.

Die Autoren von SBM gehen soweit, alle Behandlungen aus der Medizin ausschließen zu wollen, deren Prinzipien fundamentalen Naturgesetzen widersprechen. Gesundbeten zum Beispiel. Aber eben auch Homöopathie. Das homöopathische Simile-Prinzip ist ein mystisches Konzept, kein wissenschaftliches. Die Entstehung der Arzneimittelbilder, auf denen das Simile-Prinzip aufbaut, kann man, aus wissenschaftlicher Perspektive, durchaus als willkürlichen Prozess bezeichnen. Das Konzept der Potenzen ergibt, Quantenphysik hin oder her, keinen Sinn. Es ist, nach aktuellem Wissensstand nicht einmal möglich.

Da sich Homöopathie in Studien nicht bewährt hat, sprechen Homöopathen mittlerweile von der „Alltagswirksamkeit“ der Homöopathie. In den USA beschreiten Alternativmedizinanbieter einen anderen Weg, dort wird davon gesprochen, die Effekte des „mächtigen Placebos“ zu nutzen.

Die Alltagswirksamkeit des Betens habe ich mit 14 Jahren selbst erfahren dürfen. Mein Großvater war im Krankenhaus, um eine Bypassoperation zu bekommen, und meine Großmutter hat gesagt, wir sollten für ihn beten. Ob die anderen gebetet haben weiß ich nicht, ich tat es nicht und so starb er auf dem OP-Tisch.

Bisher habe ich immer sehr viel Glück gehabt, wenn es um meine Gesundheit ging, so wie der Rest meiner Familie im Großen und Ganzen. Krankheit, vor allem schwere Krankheit, kenne ich vor allem von außen. Nachdem ich versucht (!) habe, mich in die Position derer zu versetzen, die mehr Pech hatten als ich, kann ich gut verstehen, warum man nach jedem Strohhalm greift, den man finden kann. Nicht zuletzt die Geschichten der drei lebensgefährlich erkrankten Mädchen, deren Eltern Geld für eine wirkungslose und gefährliche Krebstherapie bei Stanislaw Burzynski suchen, führten mir das vor Augen.

„I’m not pro doctor Burzynski but he is the only hope we have. A life with no hope isn’t a life. And we’re doing everything we can to save Supatra’s life. I understand why his treatment is controversial to the mainstream doctors but every cancer treatment has its own controversies. Chemotherapy and radiotherapy are known for bad long term side effects, so why aren’t the mainstream doctors being more open minded and try to understand the ANP treatment and learn from it?“
Supatras Mutter am 4.2.12

Doch zurück zur nebenwirkungsfreien Homöopathie.

Die Aussage, homöopathische Mittelchen wirkten nicht, bedeutet nicht, jemand der sagt, er oder sie sei durch Homöopathie gesund geworden, sei nicht krank gewesen! Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, wie eine Krankheit enden oder sich bessern kann. Es gibt spontane Heilungen, phasenweisen Verlauf von Erkrankungen, den Placeboeffekt und noch einige Phänomene mehr. Alle diese Möglichkeiten sind, egal um welche Erkrankung es sich handelt, deutlich wahrscheinlicher, als eine spezifische Wirkung der Homöopathie. All diese Möglichkeiten verzerren die Wahrnehmung bei jeder (!) medizinischen Behandlung. Darum ist es so wichtig, Behandlungen systematisch zu untersuchen und Wirksames von Unwirksamem zu trennen.

Vielleicht, so wird es immer wieder gesagt, wirke Homöopathie auf eine Art, die wir nicht messen können, „noch nicht“ wird augenzwinkernd hinzugesetzt. Dabei wird gerne vergessen, dass es in sauber durchgeführten Studien zur Homöopathie keine Wirkung gibt, die man erklären müsste. Umgekehrt benötigt man nicht zwingend einen geklärten Mechanismus, wenn eine Behandlung wirkt!

Egal. Angenommen, es gäbe eine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus, dann wäre eine Möglichkeit dieses Mechanismus Magie. Und bevor jetzt alle empört über mich herfallen: Diese Meinung wird von Prof. Harald Walach, Leiter des Instituts für transkulturelle Gesundheitswissenschaften und ehemaligem Fernheilungsforscher, vertreten. Walach, einer der Mitautoren des HTA-Berichtes, welcher unter anderem die Aufnahme der Homöoapthie in die Grundversorgung der Schweiz empfahl, hielt 2010 im Rahmen eines DZVhÄ-Kongresses den Vortrag „Homöopathie im Licht neuerer wissenschaftlicher Befunde“ und sagte in einem Interview:

„Homöopathie ist meiner Meinung nach einfach sehr systematisierte Magie.“

Diese Magie wird, geht es nach der NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens, auch an Hochschulen Einzug halten. Nicht im Rahmen des Humanmedizinstudiums, sondern als eigener Studiengang. Bachelorhomöopathen und Masterhomöopathen wird es dann geben.

Frau Steffens möchte den Studiengang und sein Curriculum aus dem Kreis der Praktiker heraus entwickelt wissen. Hoffentlich wissen die Praktiker besser Bescheid als die Theoretiker:

Gast6163 (Gast): Professor Wallach: Hahnemann verbietet Dragun, Was ist das?
Harald Walach: keine Ahnung

Gast6366 (Gast): Herr Walach, können Sie Belladonna D30 und Arnica D30 ohne Etikett unterscheiden? Falls ja, wie?

Harald Walach: nein, ich bin ja kein Hellseher

ZDF-log-in Chat

Dragun sollte nach Hahnemann gemieden werden, da es der Gesundheit abträglich ist.

Arnica ist das wichtigste homöopathische Mittel bei Verletzungen und zur Wundheilung. Auch bei einem Schock wird es eingesetzt. Am spezifischsten sind folgende Angaben:

„Bei Fieber, bei dem der Körper kalt ist, dazu ein heißer Kopf. Der Betroffene ist erschöpft, kann seine Blase nicht mehr richtig kontrollieren. Sein Schweiß riecht nach faulen Eiern.“

Belladonna ist ein wichtiges Mittel bei Grippe, weil es gegen FIeber und Kopfschmerzen hilft. Aber auch bei Erkältungen, Entzündungen, Sonnenbrand und Krämpfen. Auch hier finden sich spezifischere Angaben:

„Dazu blasse Lippen und pulsierende, rote Entzündungsherde.
Bei Kopfschmerzen oder Migräne, die sich durch Druck bessern.
Bei Halsschmerzen und trockenem Husten, wenn die Kehle trocken ist, Schluckbeschwerden auftreten und die Mandeln rot sind.“

Während der eine unten ausläuft, trocknet der andere oben aus. Wenn mir das passieren würde, könnte ich das unterscheiden, außer natürlich, die Mittel haben keine spezifische Wirkung. Falls jemand in der Lage ist, Belladonna D30 und Arnica D30 (oder höhere Potenzen) auseinanderzuhalten, ohne das Etikett zu sehen, so warten 1 000 000 mio Dollar auf ihn oder sie. Gestiftet von James Randi. Viel Erfolg!

Alles in diesem Blog beschriebene sind aber eigentlich nur Kinkerlitzchen und reichten nicht aus, genug Blogs zum Thema zu verfassen, um eine Freitag Community in den Wahnsinn und User ins Exil zu treiben. Was ist es dann? Mehr dazu im vierten Teil.

4. Teil

Aus dem Off:

In der Diskussion zum Artikel Fliegen oder freier Fall wies Cassandra darauf hin, es sei kontraproduktiv, Tote gegeneinander aufzurechnen. Das habe ich danach weitgehend vermieden und bin vor allem auf die prinzipiellen Probleme die ich bei Homöopathie und Alternativmedizin sehe eingegangen. Das führt natürlich zu einer sehr theoretischen Diskussion, die fern vom Alltag geführt, etwas sinnlos erscheint. Für mich steckten hinter vielen Artikeln jedoch eine oder mehrere Aussagen oder Geschichten, die ich mitbekommen habe. Nahezu jeden Tag sehe ich Beispiele, die mir vor Augen führen, wie sehr die Ideen hinter der Homöopathie und das Selbstverständnis ihrer Verschreiber mehr schadet als nutzt. Und zwar ohne eine Aussicht auf positive Veränderung, denn Homöopathie basiert auf Glauben. Glauben, der durch Fakten nicht beeinflussbar ist.

Vorhang

Nachdem es in den ersten Teilen zum einen um mich, zum anderen um die Homöopathie ging, geht es nun um die Schnittstelle von beidem. Meine Motivation wieder und wieder über das Thema zu schreiben. Mir wieder und wieder eine blutige Nase zu holen und es mir, zum Teil nachhaltig, mit Menschen zu verderben, die ich schätze. Das ist sonst eigentlich nicht meine Art.

Ein Homöopath muss nicht mehr verstehen als Homöopathie. Nach einer Heilpraktikerprüfung kann er oder sie Homöopathie ausüben und wird von Außenstehenden als Kompetent in Gesundheitsfragen angesehen. Das Studium des Organons mag historischen Wert haben und teilweise amüsant sein, über Gesundheit und Kankheit hat es heutzutage jedoch keinen wesentlichen Beitrag mehr zu leisten. Trotzdem treten Homöopathen als Experten in Fragen zur Gesundheit auf:

Da es sich bei den Borrelien um ähnliche Erreger wie die bei Herpes handelt, bekommt man sie nicht aus dem Körper heraus, sondern kann sie nur unter Kontrolle bringen, was man durch eine Steigerung des Immunsystems erreicht.

Zu diesem Vergleich, der ungefähr der Aussage entspricht, ein Elefant und eine Schnecke seien sich ähnlich, weil beide kein Fell haben, lässt sich eine Tierhomöopathin hinreißen. Bei Herpes handelt es sich um ein Virus, es benötigt eine fremde Zelle, um sich zu vermehren, Antibiotika sind wirkungslos und es hat keine Zellorganellen. Borrelien sind Bakterien, die Borreliose hervorrufen können. Immerhin handelt es sich um einen Rat, der Tiere betrifft, also Schwamm drüber.

„Du solltest aber trotzdem die Stelle beobachten, falls es zu einer Wanderröte [Anm.: Zeichen einer Infektion mir Borrelien] kommt – dann bitte schnell zum Homöopathen! (Nein, nicht zum Arzt, der gibt nur AB und das ist in der Regel nicht wirklich hilfreich).“

Doch! Genau das ist hilfreich, im frühen Stadium hat man die besten Chancen das Viech loszuwerden, Antibiotika mögen des Teufels sein, chronische Borreliose ist allerdings die Hölle. Also zum Hausarzt, Antibiotika schlucken und das nächste Mal auf der Wiese lange Kleidung tragen. Oder man schützt sich mit Xodex®, allen Abonnenten des Freitag aus einer Werbebeilage des Waschbärversands bekannt.

„Das patentierte Xodex® Prinzip basiert auf der Verwendung von pflanzlichen Grundstoffen, insbesondere Ledum Palustre und Delphinium Staphysagria, die nach einem speziellen, der Hömöopathie ähnlichen Verfahren dynamisiert sind.“

Es handelt sich bei Xodex um in einem Plastikzylinder befindliche Globuli. Falls dieser magische Schlüsselanhänger doch mal seinen Dienst versagt, hat der Homöopath aus dem Lage & Roy Forum beruhigende Worte:

„Vor FSME habe ich bei Kindern eigentlich keine Angst, weil sie in der Regel atypisch verläuft, sofern die Krankheit a) überhaupt übertragen wurde (die Wahrscheinlichkeit ist ja sehr gering) und b) ausbricht (die Wahrscheinlichkeit ist auch nicht sonderlich hoch).“

Unser kompetenter Homöopath meinte mit „atypisch“ sicher „asymptomatisch“. Und wir errinnern uns: Wer krank wird, will das irgendwie ja auch. Vielleicht ist die AutorIn dieser Zeilen keine HomöopathIn? Wir leben in einem freien Land, jeder darf seine Inkompetenz laut herausrufen und sich blamieren. Die Aussage, im Forum eines berühmten Homöopathen, Ausbilders und Autoren, steht dort seit über 6 Monaten, ohne berichtigt zu werden. Man fragt sich warum?

„Die homöopathische [Anm.: Tetanus-] Behandlung ist (wäre) aus rechtlichen Gründen nur begleitend möglich. In anderen Ländern, z.B. Indien – wird Tetanus wie andere Krankheiten auch, homöopathisch behandelt.“

Man beachte: aus „rechtlichen Gründen“, nicht, weil es wirkungslos ist und man an einer Tetanusinfektion elendig stirbt (10-30% Sterblichkeit bei maximaler Therapie, Gerätemedizin und so). Nein, das medizinische Establishment (Wort) verbietet den Homöopathen, sanft zu heilen, damit es weiter impfen kann! Wie kommt die Autorin auf die Idee der homöopathischen Tetanusheilung? Offensichtlich hält sie sich an den berühmten Homöopathen und Forenbetreiber.

„Homöopathen beschreiben gute Heilungserfolge auch bei ausgebrochenem Tetanus.“
(Quelle: Roy, Carola und Ravi „Kinder mit Homöopathie behandeln“, Knaur 2000, S. 265; simila, Zeitschrift für Klassische Homöopathie, Nr. 31, 4/99, S. 34)

„Homöopathischer Tetanusschutz..
(…)Nehmen sie innerlich Arnica. Das sollte normalerweise als Schutz
ausreichen. Bei großer T.gefahr geben sie zusätzlich eine Gabe Hypericum. (…) Einige Tage später erkrankte der Mann an Tetanus. Er konnte seinen Mund infolge eines Krampfes der Kiefermuskeln kaum mehr öffnen und wurde von Krämpfen geschüttelt. Also gab sie ihm eine Gabe von Hypericum, und am nächsten Morgen war der Mann geheilt (…).

Zitiert aus dem Buch:
Selbstheilung durch Homöopathie von Ravi und Carola Roy“

Halleluja! Übrigens, gegen Übelkeit hilft Tabacum. Auf dem Hof-Hutmacher (Stichwort: Blow-Job) könnte man da sicher Genaueres sagen, immerhin ist die Inhaberin von Roy ausgebildet und gibt zu Protokoll.

„Ich stehe voll hinter den Satz: Die Homöopathie kann alles heilen, lediglich die Grenze des Therapeuten ist die Grenze der Heilung.“

Glaubensbekentnisse haben immer etwas Rührendes. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle noch einmal betonen, keinem der oben Genannten etwas Böses zu unterstellen. Ich kann mir auch nur schwer vorstellen, dass ein Elternteil seinem Kind bewusst schaden will. Trotzdem gibt es Kindesmisshandlung, manchmal mit den besten Absichten.

„Er hat erst mit guten 15 Monaten laufen gelernt und wir wunderten uns, warum er über seine eigene Füße stolperte. Uns ist aufgefallen, dass sein linkes Bein nach vorne eingedreht ist und im Urlaub haben wir nun gesehen, dass es schlimm ist. Er möchte rennen und hat einen richtigen Watschelgang.“

Die Dame fragte im Forum von Lage & Roy nach Rat zur homöopathischen Behandlung, weil sie mit ihrer Einhandrute nicht mehr weiterkam. Sie bekam viele Tipps, einer war, durchzuhalten, ein anderer, bloß nicht zum Arzt zu gehen, was sie ohnehin nicht vorhatte, „wegen der Röntgenstrahlen“. Der Beitrag ist mittlerweile im Forum gelöscht, es gab wohl Anrufe beim Jugendamt. Fragmente sind noch bei Kidmed nachzulesen.

Das soll an dieser Stelle vorerst reichen. Ich habe mich, gerade am Anfang immer gefragt, ob ich einfach zu selektiv suche? ‚Confirmation Bias‘ sagt man wohl dazu. Doch je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, bin zu der Ansicht gekommen, dass das Problem nicht bei den Menschen liegt, die Homöopathie ausüben, eher im Gegenteil. Gerade weil viele Homöopathieanwender früh genug richtige Medizin verwenden, passiert nicht mehr durch verschleppte Behandlung.

Im nächsten Teil werden wir uns weitere Beispiele ansehen und uns in der Hierachie der Mystik immer weiter nach oben arbeiten.

5. Teil

In diesem Teil werde ich weitere Beispiele anführen, die meiner Ansicht nach zeigen, dass Homöopathie aufgrund ihrer Struktur in heutiger Zeit eher schadet als nutzt. Dabei geht es mir nicht nur um die „Behandlung“ an sich, sondern auch um das damit einhergehende Selbverständnis und dessen Folgen. Ich werden versuchen zu zeigen, dass das Problem im Kern der Homöopathie liegt und nicht in verirrten Schäfchen, die sie nicht „richtig“ durchführen.

Im letzten Teil ging es um infektiöse Erkrankungen, deren Gefahren und teilweise Existenz von Homöopathen bestritten wird, weil in Hahnemanns Organon nichts davon steht (ein anderer Grund fällt mir nicht ein). Mit infektiösen Erkrankungen mache ich hier weiter.

Auf einer Seite, die homöopathische Mittelchen für viele Leiden aufführt, findet man auch eines für…

„Scharlach
Betroffene haben bläulich-rote, angeschwollenen Mandeln, dazu starke Schluckbeschwerden [Anm.: Das können Zeichen für Scharlach sein]. Betroffener redet viel, Beschwerden treten eher links auf, Kinder ertragen nichts Einengendes am Hals oder am Bauch, Betroffener will viel Kaltes trinken. Verschlimmerung nach dem Schlafen, beim Schlafen, durch Wärme, bei Wetterumschwung von kalt nach warm. Besserung durch Ausscheidungen, etwa durch Schwitzen, Schnäuzen, nach dem Klo – Lachesis

Scharlach mag sich harmlos anhören, ist jedoch eine Erkrankung, die schwere Spätfolgen haben kann, wenn sie nicht vernünftig behandelt wird. Zu den Spätfolgen gehört unter anderem das rheumatische Fieber. Dazu heißt es auch „Das rheumatische Fieber leckt die Gelenke aber es beißt das Herz„. Damit wird die Gefahr der möglichen Zerstörung von Herzklappen nach einer Scharlachinfektion beschrieben. Ohne Herzklappen hilft auch die Behandlung der seelischen, metaphysischen oder spirituellen Ebene nicht mehr. Höchstens noch zur Karmakosmetik, für das nächste Leben.

Auch um sich akut zu schaden ist Lachesis geeignet:

„Darm – Blinddarmreiz
Drohende Blutvergiftung und drohendes septisches Fieber. Betroffener hat zwischendurch Frost, schwitzt nicht, hat einen trockenen Mund und viel Durst, manchmal Übelkeit und Erbrechen. Lachesis D12 – Zweimal eine Gabe pro Tag“

Auf der Seite steht unten ganz klein, wie es sich gehört, der Hinweis: „Die hier gefundenen Informationen ersetzen keinen Arztbesuch! Wenden Sie sich bei Krankheiten und Beschwerden an einen Homöopathen oder Arzt!“ Damit sind die Betreiber der Seite aus dem Schneider. Der oder die Ratsuchende noch lange nicht. Es kann nämlich sein, sie treffen auf einen Homöopathen (Arzt inklusive) der die Schriften von Adolf Voegeli gelesen hat. Der schreibt in seinem Werk „Homöopathische Therapie der Kinderkrankheiten“ zum Thema Blinddarmentzündung:

„Die Appendizitis wird heute allgemein als chirurgische Krankheit betrachtet, weshalb ein homöopathischer Arzt bei einem Versager mit Unannehmlichkeiten zu rechnen hat. Aus diesem Grund empfehle ich deshalb, die akute Appendizitis der Chirurgie zuzuführen. Das ist jedoch nur eine Konzession an die heute herrschende Meinung.“

Einem Versager droht in diesem Fall der Tod, mindestens jedoch ein langer Klinikaufenthalt. Natürlich kann man eine Blinddarmentzündung, die nicht operiert wird, überleben. So wie man auch den Sturz aus dem 6. Stockwerk überleben kann oder eine Tetanusinfektion.

Herr Voegeli weilt nicht mehr unter den Lebenden, sein Werk ist jedoch noch zu haben, ich habe seine Worte in einer Aachener Buchhandlung lesen dürfen. Andererseits, wer hat denn schon eine Blinddarmentzündung? Oder Scharlach? Wie wäre mit etwas konkreterem, einer Verbrennung vielleicht? Wie behandelt man homöopathisch eine Verbrennung (nicht eine homöopathische Verbrennung)? Man wendet das simile Prinzip an! Nach dem Unfall lässt man heißes Wasser über die Verbrennung laufen, bis der Schmerz verschwindet. Ein Homöopath mag darin die Aktivierung von Selbstheilungskräften sehen, der „Schulmediziner“ würde von absterbenden Nervenfasern sprechen. Die Alliance of Registered Homeopaths empfiehlt genau diese Therapie und verlinkt einen Beitrag, auf irgendeiner anderen Zirkusseite zur Homöopathie, wo jemand erzählt, wie er oder sie das eigene Kind gequält hat.

Zur Beruhigung und allgemeinen Erbauung darf sich jetzt jeder jeweils die albernste Behandlung und das alberenste Mittel ausdenken. Homöopathisch, versteht sich. Und dann werde ich jeweils etwas noch alberneres aus den Tiefen des Netzes zaubern. Fertig? Los.

Die Behandlung der Stahlenkrankheit.

„Homeopathy is a truly diverse and deeply effective natural health care system for every illness under the sun. Including radiation. How is this possible?“

Vielleicht wird bei einem der Patienten die Strahlenkrankheit mit diesem Mittel behandelt: Tyrannosaurus rex.

Im dritten Teil hatte ich ein Zitat von Prof. Walach von der Viadrina aufgeführt. Das Interview in dem er sich zu dieser Perle hinreißen ließ, erschien auf einer Internetseite, die sich sehr um die Homöopathie bemüht und da Homöopathie ein internationales Geschäft ist, gibt es auch Interviewpartner aus anderen Ländern. Zum Beispiel aus Indien.

Indien scheint mir so eine Art gelobtes Land der Homöopathie zu sein. Ich stoße zumindest immer wieder auf Hinweise, in Indien sei Homöopathie enorm populär. Die Menschen dort sind vielleicht noch „ursprünglicher“ und noch nicht von der Zivilisation verdorben wie wir. Ich zumindest. Auf dieser Seite wurde auch ein Dr. Manchanda interviewt. Der arbeitet auch in Indien und schreibt auf seiner Website:

„Homeopathy is proven to be very effective in the beginning stages of cancer.“

In frühen Stadien von Krebs hilft auch beten, habe ich gehört. Nicht fehlen sollte auch:

„Homeopathy doesn’t claim the cure to AIDS as yet, but helps the AIDS cases to slow down the progress of immunodeficiency for years without any further complications“

Ist das nicht toll? AIDS wird behandelt, ohne die teuren Medikamente und Nebenwirkungen in Kauf nehmen zu müssen! Ja, es ist so schön, dass einem vor Freude übel wird. Ein Kollege des Doktors arbeitet umsonst und sogar kostenlos, ebenfalls mit dem Ziel Menschen mit AIDS zu helfen.

Dr. Mitra has developed a homeopathic protocol for HIV/AIDS that he thinks may be a hope to millions of people suffering from HIV/AIDS in the world today.

Inder müsste man sein, da wirkt Homöopathie nicht nur bei Schnupfen, sondern auch gegen AIDS!

Dann war da noch diese andere von Dr. Manchanda erwähnte Erkrankung: Krebs. Auch hier gibt es Therapeuten, die selten an ihre Grenzen kommen. Wir sind in Arizona, in einer Klinik, die den ganzen Menschen behandelt.

The importance of balance in your leukemia treatment cannot be overstated. Leukemia is a cancer of the blood or bone marrow that is characterized by an abnormal disease in white blood cells. Dr. Paul Stallone and the staff offer an alternative leukemia treatment to work in tandem with your traditional treatment for leukemia. Learn about homeopathic medicines, immuno-modulation, nutrition therapy, and other modalities our center offers.

Eine kleine Einschränkung scheint es zu geben, vielleicht eine Konzession an die heute herrschende Meinung, man wird in der Klinik auch traditionell behandelt, womit wohl Chemotherapie und Bestrahlung gemeint ist. Merke: Älter als 200 Jahre: Modern. Jünger als 100 Jahre: Traditionell. Man nennt das auch chronologisches Simileprinzip.

Lansam wird es langweilig und Zeit wieder in die Heimat zu kommen. Denn was die verrückten Inder und die merkwürdigen Amerikaner machen, ist eine Sache. Doch im regulierten und vernünftigen Deutschland sieht es ein wenig anders aus. Immerhin gibt es hier einen Verein echter Ärzte, die sich mit Homöopathie beschäftigen und für die Qualität der Behandlung sorgen. Die Ansichten Ravi Roys zu Tetanus und Tollwut scheinen den Verantwortlichen dort keine Sorgen zu machen, werden doch seine Bücher auf der Website empfohlen und Roy bei Referenten, neben George Vithoulkas, als Referrenz genannt.

In einem Interview mit einer Studentenzeitschrift wird deutlich, dass auch Dr. Saine aus Kanada seine Grenzen als Therpeut ziemlich weit steckt.

„In seiner großen Praxis in Montreal behandelt Dr. Saine fast ausschließlich schwerstkranke Patienten wie psychiatrische Krankheitsbilder, Aids, MS, Epilepsie, Autoimmunerkrankungen, Nierenversagen, Krebs mit dem Ziel, den Wirkungsbereich und die Möglichkeiten der Homöopathie zu erweitern.“

Dr. Saine taucht beim DZVhÄ als Referent bei diversen Vorträgen auf, von ihm sollte man nicht zuviel erwarten, wenn es um Grenzen der Homöopathie geht. Er scheint die Qualitäten von mindestens 5 Fachärzten in sich zu vereinen, traut er sich doch zu ein sehr heterogenes Krankheitspektrum abzudecken.

Auch der Homöopath Dr. Manchanda wird auf den Seiten des DZVhÄ gewürdigt. Die Wasserheiler dieser Welt, vereint unter dem Dach des Sprachrohrs für Homöopathie in Deutschland.

Adolf Voegeli (der mit dem Blinddarm) taucht in vielen Biografien von Mitgliedern auf der Website des Vereins als Ausbilder oder Vorbild auf. Ebenfalls dort zu finden ist dieses Zitat Voegelis:

„Den guten Homöopathen erkennt man daran, dass auf seinem Schreibtisch der Kent und der Boericke liegen.“

James Kent Taylor war Homöopath in den USA und ist 1916 gestorben. Ich möchte an dieser Stelle die Frage in den Raum stellen, wer sich von einem Hausarzt behandeln lassen würde, der seine Therpieentscheidungen auf Basis eines Buches von 1916 trifft. Aber das ist wirklich nur ein Kleinigkeit, denn Kent wird uns nun erklären, worum es sich bei „Psora“ handelt.

„Die Psora ist also die Grundursache aller Krankheiten des Menschen, sie war die erste, die Urkrankheit der menschlichen Rasse. Sie ist eine Ordnungsstörung im Innern des menschlichen Organismus. Diese Ordnungsstörung wirkt sich in Form der allerverschiedensten chronischen Krankheiten aus, der allerverschiedensten chronischen Krankheitsmanifestationen. Wäre die menschliche Rasse nie von der Ordnung abgewichen, so wäre die Psora nie ins Leben getreten.“

Nun wissen wir es, Hahnemann hat in der Psora den Urgrund gesehen, wusste aber nicht Recht, was es ist. Und Kent wird es uns jetzt gleich sagen. Und, liebe Frauen, wenn ich das richtig verstehe…aber lest selbst.

„Hier sei nur gesagt, dass sie [Anm: die Psora] zusammenhängt mit dem ersten großen Fehltritt des Menschen, der Ursünde, welche die erste Krankheit des Menschen gewesen ist, ich verstehe darunter die geistige Aberration, diesen Primärzustand, der der gesamten menschlichen Rasse die Anfälligkeit für die Psora einbrachte und welche ihrerseits die Grundlage für alle weiteren Krankheiten gab.“

Willkommen im 21. Jahrhundert.

Epilog

Jeder einzelne dieser, in den fünf Teilen vorgestellten Bausteine, wäre amüsant oder kurios, nicht der Rede wert. Doch in Zusammenschau, da gruselt es mich jedes mal ein bisschen mehr. Homöopathie ist ein mystisches Konzept, dem eine eigene Ideologie innewohnt, deren Teile an vielen Stellen zu finden sind. Ich habe nichts gegen mystische Konzepte, solange ich nichts damit zu tun habe und den Teilnehmern offen kommuniziert wird, wo sie mitmachen. Wer auf das mystische Konzept der Homöopathie verzichten kann, benötigt auch keine Globuli, sie sind, ich wiederhole mich, wirkungslos.

Vor kurzem hörte ich in einem Podcast, viele Menschen nähmen Alternative Medizin nicht in Anspruch, weil sie unzufrieden mit konventioneller Medizin wären, sondern weil es sie gibt. Weil Menschen, die sich (vermeintlich) damit auskennen, behaupten, es funktioniere. Ich hoffe und vermute oft im besten Glauben. Darum sage ich, wieder und wieder, nach bestem Wissen, es funktioniert nicht*. Was Ihr damit macht, ist mir egal. Hauptsache Ihr bleibt gesund!!!

*Nicht besser als eine entsprechende Scheinbehandlung, soviel Zeit muss sein.

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26 Gedanken zu “2012/02 – Projekt: Homöopathie und Ich

  1. lieber merdeister,
    na das war ja geradezu eine Schicksalsfügung, unser Zusammentreffen beim FREITAG. Also, ihr inzwischen nicht unbeträchtliches Wissen in Sachen Homöopathie, verdanken sie indirekt meinen provokanten Artikeln !? Das find‘ ich ja nett, dass ich Sie quasi auf die Forschungsreise geschickt habe. Lebensnah geschrieben und literarisch gut verpackt, der erste biographische Teil, bin auf die Fortsezung gespannt…
    Irgendwie hat die Homöopathie Sie doch gepackt, anders ist Ihre engagierte Beschäftigung mit dem Thema psychologisch nicht erklärbar, mal sehen, wann aus dem Paulus ein Saulus wird. l. G. Klaus Binding

    1. Guten Tag Herr Binding,
      schön, dass Sie dabei sind. Ob ich zum Saulus werde, durch diese Schicksalsfügung, ich denke nicht, es wäre zumindest ein wenig peinlich. Wenn es allerdings so weitergeht, mit mir und der Homöopathie, hätte Ihr Text beim Freitag der Homöopathie eher einen Bärendienst erwiesen.
      Bis zum nächsten Teil.
      Gruß merde

  2. lieber merde,
    vorab: die schlimmsten Kettenraucher werden die radikalsten Nichtraucher, und Erkenntnis ist nicht peinlich. Kennen Sie die Geschichte von Constantin Hering, der angetreten war um die Homöopathie zu widerlegen, ein hochqualifizierter Schulmediziner mit glänzenden Karriereaussichten ??
    Ich verstehe und schätze Ihren kritischen, interlektuellen Geist.
    Ich verstehe auch die allgemeinen vielen Zweifel an der homöopathischen Therapie — aber, Homöopathie ist ein verflucht schweres Gebiet, und es gibt viel zu wenig fähige Homöopathen, es wimmelt nur so von Dilletanten!
    Ich mache seit 23 Jahren klass. Homöopathie in eigener Praxis! Wenn ich, als kritischer und moralischer Mensch, da einen plumpen Schwindel oder dummen Irrtum erkannt hätte, hätte ich das Ganze hingeschmissen. Ich habe aber erstaunliche Erfolge erlebt, die sich nicht auf Placebo zurück führen lassen. Ich bin auch oft gescheitert- denke aber, dass das meine eigene Unfähigkeit war. Jahrelange therapieresitente Migräne z.B. verschwindet nicht mit Placebo, das gibt es nicht. Ja, Bauchschmerzen, einfache Kopfschmerzen, kleine neuro-vegetative Beschwerden sind mit Placebo und guter Seelsorge zu kurieren, aber nicht chron.Beschwerden, die seit Jahren bestehen. Ich kann wissenschaftlich nicht wie Kuni argumentieren, aber die Erfahrung lehrt mich anderes. Homöopathie ist eine schwierige, komplizierte med. Disziplin, die auch ein ein hohes Maß an menschlicher Reife verlangt, viel Lerneifer und Hingabe an die Sache. Vithoulkas, den ich persönlich kenne, ist einer von den neuzeitlichen Homöopathen, die für die Seriösität de Homöopathie stehen, besonders seine jahrzehnte langen Erfolge im Athener Krankenhaus- das kriegt kein Mensch mit Placebo hin ! Der ist einfach fähig- und von der Sorte gibt es nur ganz wenige: Dr. Adolf Voegli- lesen Sie ihn, Dr. Gerhard Köhler, Vermeulen, Phillip Bailey, Morrison, Pierre Schmidt, Künzli von Fimelsberg, Boenninghausen, Stapf, Paul Dahlke, Herbert Fritsche, Buchinger, Boericke- alles ehemalige Schulmediziner, seriöse, moralisch wackere Leute.
    Homöopathie ist eine sehr schwierige med. Methode, die aber funktioniert, wenn ein kompetenter Therapeuteut sie praktiziert- es ist einfach oft schwierig- nur das Simile wirkt- und wie oft habe ich in den ersten Jahren falsche Mittel verordnet, auch heute noch…
    Deshalb bedeutet homöopathischen Arbeiten, lernen, lernen, lernen.
    liebe Abendgrüße, K.B.

    1. Wie kommt es, daß die Verteidigung der Homöopathie exakt klingt wie die Veerteidigung der Astrologie?
      Ich glaube nicht, daß Homöopathen ihre Patienten bewußt beschwindeln. Sie glauben an die Sache. Aber den Vorwurf des confirmation bias müssen sie sich gefallen lassen.

      1. So, jetzt der Versuch einer Antwort.

        Ich schließe mich Jens dem anderen an, dass die meisten Homöopathen und Alternativmedizinanbieter nicht bewusst schwindeln und wirkliche Gläubige sind. Auch wenn gerade bei Ulrich Berger ein Bericht veröffentlicht wurde, der anderes besagt: Link

        Aber mich interessiert etwas ganz anderes. Ich hatte ja bereits einige Diskussionen mit Herrn Binding. Darin brachten Sie immer wieder zum Ausdruck, in der „Schulmedizin“ würde bewusst gelogen, betrogen und die Patienten (z.B. mit Impfungen und HIV-Therapie) systematisch vergiftet. Lassen wir einmal, ausnahmsweise, die wissenschaftliche ‚Beweis’lage außer Acht. Sind sie der Meinung, Menschen die in dem Bereich arbeiten haben andere Intentionen als Sie?

        Die von Ihnen erzählten Anekdoten sind nett und jeder Einzelfall ist sicher beeindruckend, doch man benötigt nicht die Homöopathie um sie zu erklären, so wenig wie die Homöopathie sie erklärt.

  3. @merdeister&all

    Guten Abend zusammen,
    ich lese diesen Blog schon länger mehr als gerne mit und speziell die beiden obigen Artikel fand ich a)gut geschrieben und b)inhaltlich interessant. Die Freude vergällt haben mir dann die Binding’schen Kommentare und in meiner inneren Übersäuerung zucken meine Finger zu den Tasten………

    Teilweise Einspruch Euer Ehren… die Mehrzahl der Homöopathie- und Alternativmedizin-ANWENDER glaubt sicher ehrlich daran. Die kommerziellen Anbieter wissen in der Mehrheit entweder sehr genau was sie tun, oder sie wissen um die magelnden Grundlagen und Widersprüche. Sie ignorieren diese aber dann meist ganz bewußt, da man damit ja so schön Geld verdienen kann und es sich auch irgendwie kuschelig anfühlt.
    Und dann gibts noch den kleinen Teil derjenigen, die wirklich überzeugt sind…die sind (so wie Herr Binding) dann total kritisch und offen und moralisch. Nur sind sie es eben auf der Grundlage einer Annahme, einer nicht bewiesenen, nicht beweisbaren und meist sogar hinlänglich widerlegten These. Problempunkte, Widersprüche und fehlende Kausalitäten werden ebenso negiert und ausgeblendet, wie Kinder akzeptieren, daß der Weihnachtsmann (oder Chistkind, oder…) das mit den vielen Geschenken weltweit in nur einer Nacht schon „irgendwie hinkriegt“.
    Fühlt sich eben kuscheliger an, wenn man einfach nur dran glauben muß (Wohlgemerkt die Grundthese!…Ihre nachfolgenden persönlichen Erfahrungen, „Beweise“ usw. zählen bei einer nicht belegten Grundthese nicht, Herr Binding!…Auch nicht nach 23 Jahren in eigener Praxis.).
    Die nun folgende Diskussion wird vermutlich wieder ein absehbarer Schlagabtausch, der einen Gläubigen nicht bekehren kann und dessen Ausgang jeder Wissende bereits kennt. Die Ignoranz, intellektuelle Kleingeistigkeit und das wissenschaftliche Unwissen tropfen aus Herrn Bindings Kommentaren heraus, daß es weh tut.

    So…dem Ärger ist Luft gemacht…(unter massivem Zurückhalten meiner spontanen Formulierungen)…

  4. @ hiatros

    nix Schlagabtausch, der Ozean des Irrtums ( und der offiziellen Lügen) ist zu tief. Und Ahnungslose kann man nicht mal fachlich inspirieren, außer die Obzessiven wie merdeister.

    @ merdeister

    ich will kein Pauschalurteil über Schulmediziner abgeben, ich persönlich habe wenig menschlich qualifizierte kennengelernt ( und ich habe mit sehr vielen zu tun gehabt)- der „Patient“ Schulmedizin insgesamt ist krank, weil er nur das chem. biolog. Konzept kennt, das nur die Körperlichkeit des Menschen anerkennt, der Mensch ist aber weit mehr.
    Der Schulmedizin fehlt ein Konzept, dass den Patient als Ganzes auffasst.
    Tip: Die Nemesis der Medizin, von Illich, nicht einfach, aber sehr aufschlussreich, und mit Quellen ausreichend belegt,
    liebe Grüße, K. Binding

    1. @Klaus Binding:

      You wrote:

      “ Der “Patient” Schulmedizin insgesamt ist krank, weil er nur das chem. biolog. Konzept kennt, das nur die Körperlichkeit des Menschen anerkennt, der Mensch ist aber weit mehr.
      Der Schulmedizin fehlt ein Konzept, dass den Patient als Ganzes auffasst. “

      Haben Sie eigentlich noch was anderes auf Lager als die immerselben Lebenslügen der Pseudomedizin?

      a) Selbstverständlich sieht auch die evidenzbasierte Medizin den Menschen als Einheit aus psychisch- sozialem und biologischem Wesen und behandelt somit „ganzheitlich“ – allerdings ohne daraus ein besonderes Etikett zu machen und als etwas Exklusives vor sich herzutragen.

      b) Wenn umgekehrt Alternativmediziner von „ganzheitlich“ sprechen, meinen sie eben nicht nur den Menschen als Einheit, sondern zugleich auch Methoden und Verfahren, für die es keinen Wirksamkeitsnachweis – ja nicht einmal ein plausibles Wirkprinzip – gibt. Und die den anerkannten Grundsätzen der modernen Naturwissenschaften widersprechen.

      Das ist nicht „ganzheitlich“, sondern unsinnig.

      Wenn Sie auch nur den Funken eines ernsthaften Interesses daran hätten, Ihre Patienten nicht für dumm zu verkaufen, hätten Sie sich längst mal über die Gründe eingehend informiert, auf denen Ihre angeblichen „Heilerfolge“ beruhen, zum Beispiel hier:

      http://blog.gwup.net/2011/10/13/warum-homoopathie-zu-wirken-scheint-teil-ii/

      Sehr lustig ist es auch, wenn Pseudomediziner meinen, von „chronischer Migräne“ reden zu können und im Brustton der Überzeugung behaupten, diese geheilt zu haben.

      Ich vermute mal, Sie haben keine Ahnung, wie viele verschiedene Kopfschmerz- und Migränearten es gibt und womit Sie es wirklich exakt zu tun hatten und aus welchem Grund die Schmerzen verschwunden sind (wofür es etwa 10 000 Gründe geben kann, die allesamt nichts mit Ihrer (Nicht-) Behandlung zu tun haben.

      Also mal wieder schöne Anekdoten, anstatt glaubhafter Belege.

  5. @Binding

    Ihr Salbadern verursacht bei mir gerade eine akute Migräne…wie wollen Sie jemanden FACHLICH inspirieren?

    Um überhaupt grunsätzlich fachlich ernst genommen zu werden (und das wollen Sie ja offenbar, sonst würden Sie hier nicht so viel Zeit investieren…), und merdeister überhaupt ansatzweise auf Augenhöhe argumentativ gegenübertreten zu können müßten Sie erstmal die einfachen Fragen an Ihresgleichen beantworten bzw. sich auf eine echte Diskussion darauf einlassen.
    Welche das sind? Naja zunächst mal vielleicht die Frage, woher das Wasser eigentlich weiß welche Substanz potenziert werden soll bei den ganzen Verunreingungen die da auch noch im Gefäß drin sind?, oder: warum eigentlich soundso oft schütteln und nicht 5x mehr oder 8x weniger?……..
    ……… weitere suchen Sie mal bei den Ausrufern, der GWUP, den Scienceblogs usw. …aber äh nein, ach ja, die gehören ja auch zum Ozean der Lügen oder so ähnlich…na, dann beantworten wir doch lieber nix und kuscheln uns weiter in unser Phantasiegebäude. Da ist’s warm und erklären muß man eben auch nix, wir fühlen uns allen per se überlegen und können auf jede ernsthafte Frage einfach ein paar schlaue wirre Sätze loswerden. Und kommen Sie mir nicht damit, daß man ja nicht alles erklären muß, der Erfolg gebe Ihnen recht… Sie müßten doch im Interesse Ihrer Patienten geradezu erpicht darauf sein, die homöopathische Methode ständig zu verbessern (wo Sie doch so ein moralischer Mensch sind…), aber da hört’s eben auf…

    Zum Wohle der armen Patienten und Förderung der homöpathischen Grundlagenforschung könnt man ja auch die Preise der GWUP oder von Mr. Randi abgreifen mit einem ganz einfachen Experiment… Gehen Sie dorthin und machen eine homöopathische Arzneimittelprüfung mit einem bereits bekannten Mittel an gesunden Probanden nach Doppelblind-Kriterien. Eine homöopathische Anamnese fiele also aus, ein Teil der Probanden sollte aber nun signifikant gehäuft mindestens eins der dem Mittel zugeschriebenen Symptome zeigen.

    Eine solche Studie, fiele sie dann wirklich positiv aus, würde die Grundfesten der „Schul“-medizin (ein ätzender, unsachlicher, eigentlich rein homöopathischer Begriff) und „konventionellen“ Wissenschaft in ihren Grundfesten erschüttern und umstürzen. Und die meisten von uns (den Protagonisten dieser Zünfte) wären ernsthaft beeindruckt und würden unsere bisherigen Modelle überprüfen und u.Umständen verwerfen und zwar mit Freude ob der neuen bahnbrechenden Erkenntnisse und neuen Welten wissenschaftlichen Verstehens…………….ups…ich komme ins Phantasieren, ein solcher Versuch wird weder durch Sie Herr Binding noch durch irgendeinen anderen homöopathologischen Menschen gemacht werden. Sollten Sie es versuchen, wird sofort irgendein Dachverband bzw. die homöopathische Pharmaindustrie (warum ist DIE eigentlich nie auch böse so wie BigPharma!?!) bei Ihnen vorstellig werden und versuchen, es Ihnen auszureden (Man will ja weiter verdienen).

    So und nun gehen Sie mal lieber noch ein paar Kinderfotos auf Ihre Homepage setzen und den Eltern dann die Impfungen ausreden (sorry, a bisserl unsachlich schwallern darf ich auch mal…)…

  6. Meine Migräne bringt gerade meinen Kopf zum explodieren….ich hab‘ den neuen Blog-Beitrag erst jetzt gelesen und mir das Video mit Frau Steffens angeschaut…AAAAAAAaaaaaaaaaaaahhhhhhhhh!!!! — Sorry, aber was anderes fällt mir dazu nicht ein….

    ….ich glaube jetzt erblinde ich auch noch und taub werd‘ ich auch gerade….ich geh‘ dann mal ne tote Katze im Garten vergraben (Ist eigentlich grad Vollmond?), vielleicht hilft das ja…

    ….ein sehr geschockter hiatros wünscht noch einen schönen Abend….

    1. Zum Schutz der Katze möchte ich anführen, dass es ausreichend sein sollte, nur ein Foto von ihr zu vergraben. Das Universum weiß dann schon, was gemeint ist.

      Vielen Dank für die Kommentare, ob wir noch eine Antwort bekommen?

  7. Hallo Merdeister,
    vielen Dank für die persönlichen Worte. Es zeigt wie immer, das die meisten Kritiker der Homöopathie und der Alt-und-Naiv-Heilkunde sehr wohl eigene Erfahrungen damit haben. – sich viel fundierter damit beschäftigt haben, als die meisten Homöopathie-Gläubigen, die das Zeug womöglich heute noch als „Natur-Medizin“ betrachten.
    Bei mir war der Punkt hellhörig zu werden, als Leute um mich rum meinten, die Medizin brauche sich nicht nachzuweisen, gleichzeitig über die Nichtbezahlung durch Krankenkassen lamentierten.

  8. „I used to be much more generous, but right now, I would take homeopaths and put’em into a big sack, together with psychics, astrologists and priests. I would close the top of that sack with strings, and I’d hit’em all with sticks.“

    Dara O’Briain – Science doesn’t know everything:

  9. Hallo,

    es ist leicht zu beobachten, wie in den Kommentaren die Stimmung immer weiter hochkocht und die Beiträge aggressiver werden, übrigens auch zunehmend von Teil 1 bis Teil 5. Anfangs noch sehr kühl, merdeister wirkt auf mich versucht objektiv und dann zunehmenden die Contenance verlierend.

    Das macht die Argumente nicht glaubwürdiger.

    Aber es macht so mehr Spaß!

    Gehen wir einen Schritt weiter (oder besser tiefer) und sehen an, worauf sich die Basis der Homöopathie gründet: Die Arzneimittelprüfung am Gesunden!!! Was bedeutet denn bei einer so umfassenden Anspruchshaltung -wie sie die Homöopathie hat- „gesund zu sein“? Gut, diese Kind mit dem Fuß, der nachgezogen wird, ist es vielleicht nicht, aber wen kann man denn guten Gewissens als Gesunden bezeichnen? Gilt da seit Hahnemann die WHO-Definition von Gesundheit?
    Halten wir also fest: Es gibt keine gesunden Menschen, sondern nur Kranke und / oder schlecht behandelte. Und an diesen Personen werden bzw. wurden (vor hundert und mehr Jahren) dann die Arzneimittelprüfungen gemacht. Wie genau wurde da nach sozioökonomischen Status geschaut, wie genau wurde da die Familienanamnese erhoben, was ist mit dem psychologischen Status (ach … gabs ja noch gar nicht in der Form)? Welche der Personen war mehr, welche weniger leidensfähig? Mehr oder weniger sensibel? Was floss denn da alles mit ein an Veränderung beim „Gesunden“ und in welche Richtung? Was haben die Hahnemänner dann in den Repititorien und Materia medicas unantastbar niedergeschrieben?

    Ich finde es frustrierend, daß diese und viele andere grundlegenden Fragen gestellt werden an die Allopathie und nicht an die alternativen Methoden. Die anmaßende Erhabenheit und die kritiklosen Vorschußlorbeeren, die diesen Methoden entgegengebracht werden frustrieren mich. Am schlimmsten sind dann die Leute, die das Wort Homöopathie noch nicht mal aussprechen können. Aber es stimmt: Sie meinen es nur gut. Und: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

    Gleichzeitig sind diese Menschen so ultradogmatisch, daß nicht sein kann, was nicht sein darf. Warum werden niemals Methylphenidat und Impfungen als Argumente FÜR die Homöopathie angeführt? Das ist doch auch ursprünglichstes Simile-Prinzip.

    Diese Menschen diskreditieren sich selbst. Man sollte das nur sokratisch aufzeigen und sich nicht provozieren lassen. Diese schafsgleichen Wölfe muss man als solche enttarnen!

    Dafür an dieser Stelle ein großes Dank an merdeister!

    1. Ach so, ja, zu 20 Jahren Berufserfahrung hat Herr Tucholski schon mal was Gutes gesagt:

      „Man kann eine Sache auch zwanzig Jahre lang falsch machen.“ – „Schnipsel“, in: „Die Weltbühne“, 8. März 1932, S. 377

      Immer schon kritisch bleiben, insbesondere mit der eigenen Methode!

  10. Schöner Rapport…

    Bei ‚Der Freitag‘ ist der auslösende Artikel nicht mehr zu finden, doch Onkel google sucht in den merkwürdigsten Ecken ;-) Ist der Rest des Textes vielleicht auch noch irgendwo gebunkert?

    Das mit dem Dragun habe ich auch nie verstanden, empfiehlt es der Guru doch anderweitig. Allerdings unpotenziert.

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