Plappernder Heilpraktiker

Posted on 31. Juli 2016 von

16


Scharlatan II

Heilpraktiker haben keine Schweigepflicht. Einem Menschen mit diesem Titel etwas zu erzählen ist im Prinzip nicht mehr oder weniger exklusiv als einer Freundin oder einem Freund etwas zu erzählen. Oder einem Klempner. Es mag sich um tolle Zuhörer handeln, gesetzlich zum Schweigen verpflichtet sind sie nicht. Heilpraktiker möchten aber so gerne Medizin machen und Menschen heilen. Darum verpflichten sie sich selbst zum Schweigen. Der Verband Freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater e.V. schreibt dazu auf seiner Website:

Für die Beurteilung der Schweigepflicht der Heilpraktiker für Psychotherapie ist der abgeschlossene Behandlungsvertrag (§ 630a BGB) maßgebend (…). Beide Verträge enthalten (…) behandlungsakzessorische Nebenpflichten, wozu auch die Schweigepflicht zählt (…). Von der anzuerkennenden Erwartungshaltung des Patienten/Klienten ausgehend, ist beim Umfang der Schweigepflicht kein Unterschied zwischen Ärzten, Heilpraktikern und Psychologischen Beratern zu machen.

Nachdem sich Ende Juli in Ansbach ein junger Mensch in die Luft gesprengt und  viele Mitmenschen teils schwer verletzt hat, ist das Medieninteresse groß. Der junge Mann war bei einem Heilpraktiker für Psychotherapie in Behandlung und musste dort irgendeine esoterische Psychoquacksalberei über sich ergehen lassen, für die die Stadt bezahlt hat. Den Skandal, dass aus Ermangelung ausgebildeter und qualifizierter Therapeuten „der Markt“ für opportunistische Scharlatane geöffnet wird, lasse ich mal beiseite.

Die mediale Aufmerksamkeit ist natürlich eine hervorragende Gelegenheit für besagten Heilpraktiker für Psychotherapie, seine Bekanntheit zu steigern. Das macht er auch und springt vor jedes Mikrophon um aus dem Nähkästchen zu plaudern.

„Ich habe ganz klar gewarnt, dass ihm dieser spektakuläre Suizid zuzutrauen ist, in dem Moment, wo man ihn nach Bulgarien abschieben möchte. Wenn diese Androhung kommt, dann ist das möglich, so habe ich das formuliert – und zwar anderthalb Jahre vorher.“
Axel von Maltitz, Exilio Heilpraktiker

Herr Maltitz gibt ausgiebig Auskunft über seinen  verschiedenen„Patienten“.  Für Ärzte gilt die Schweigepflicht auch über den Tod eines Patienten hinaus. Für Heilpraktiker gilt sie scheinbar, bis sich etwas Besseres ergibt.

Wer also Heilpraktiker aufsucht, sollte sich darüber im klaren sein, dass die Schweigepflicht dort nur solange gilt, bis er oder sie die Informationen zur Akquise neuer Kunden nutzen kann.

Update 01.09.2016:

Wer statt meinem juristisch auf Sand gebautem Rant noch etwas Substantielles über den politischen Angriff auf die ärztliche Schweigepflicht lesen will, sei an diesen Text von ed2murrow verwiesen.

Verschlagwortet: ,