GNM, AIDS und ein Canyon

Posted on 19. Dezember 2011 von

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[Die ist eine Repost eines Artikels, den ich bereits im Februar schrieb, der mir jedoch durch die Vorgänge bei den Berliner Piraten wieder aktuell erscheint]

Wenn jemand behaupten würde, Sicherheitsgurte machten eine Autofahrt nicht nur nicht sicherer, sondern wären im Falle eines Unfalls eine tödliche Gefahr, täte man das mit einem Kopfschütteln ab. Wenn dieselbe Person darauf bestünde, niemand hätte doch bisher einen Sicherheitsgurt bei der Arbeit beobachtet, die Tests an Dummys hätten nichts mit der Wirklichkeit zu tun und darüberhinaus wären bei jeder, bei einem Autounfall gestorbenen Person, Gurtmarken zu sehen, was die von diesen ausgehende Gefahr beweise, dann ist es Zeit, das Gespräch zu beenden.

Außer man heißt Thabo Mbeki und regiert einen Staat im äußersten Süden des afrikanischen Kontinents. In diesem Fall lädt man eine zweistellige Zahl an Gurt-Leugnern ein, gründet daraus ein Expertengremium für Verkehrssicherheit und schafft die Gurtpflicht kurzerhand ab.

Das hat Herr Mbeki natürlich nicht gemacht. Stattdessen empfahl Herr Mbeki seinen Landsleuten, wenn sie etwas für die Gesundheit tun wollten, Knoblauch. Besonders richtete sich dieser Tipp an mit dem HI-Virus Infizierte. Auch zu empfehlen, allemal mehr als antivirale Medikamente, seien Olivenöl und Rote Beete, denn einen Zusammenhang zwischen AIDS und HIV gäbe es nicht.

In Deutschland ist Stefan L., im folgenden „Dr. L.“, jemand der sich gern und oft zu Wort meldet, wenn es um die Leugnung von AIDS und dem HI-Virus geht. Dr. L. ist Biologe und wirft Behörden und Instituten vor, uns alle (Euch und mir) nicht die Wahrheit zu sagen, zum Thema AIDS, HI-V und der Vogelgrippe z.B. In diesem Zusammenhang gibt es eine Dokument, welches seine Anhänger als Beweis dafür erachten, dass es keine Beweise für AIDS und HI-V gäbe.

Quelle

Verstanden? Man muss es schon zweimal lesen, mindestens.

Quelle

Wie kommt ein im 20. Jahrhundert naturwissenschaftlich ausgebildeter Mensch darauf, solch einen Unsinn zu verbreiten?

Wahrscheinlich kennt jeder den einen oder anderen Menschen, der oder die in der einen oder anderen Angelegenheit etwas verschrobene Ansichten hat, und vielleicht ist Dr. L. einfach ein Ausreißer.

Vielleicht auch nicht, denn Dr. L. vertritt die Ansicht, allen Menschen könne mit der „Neuen Medizin“ geholfen werden. Die „Neue Medizin“ wurde von Geerd Hamers entdeckt, Dr. L. sagt über sie:

Zum ersten Mal in der westlichen Medizingeschichte (…) haben wir ein in sich geschlossenes wissenschaftliches Erkenntissystem,(…) das uns erklärt, was Krankheiten oder Zustände, die wir heute noch Krankheit nennen, was die sind und wie die entstehen (…).

Das hört sich doch hervorragend an, weg mit der alten Medizin und los geht es mit der Neuen. Doch bevor wir die Katze im Sack kaufen, schauen wir uns das doch einmal näher an:

„Laut Lehre der Germanischen Neuen Medizin (GNM, vormals: Neue Medizin) seien bis auf wenige Ausnahmen letztendlich alle Erkrankungen bei Mensch oder Tier als Folge von so genannten „biologischen Konflikten“ anzusehen“

„Hamer behauptet, die von ihm entdeckte „Neue Medizin“ kenne die Ursachen jeder sogenannten Krankheit und schließe darüber hinaus auch die Therapie mit ein. Sie basiere auf fünf empirisch gefundenen „Biologischen Naturgesetzen“, den sogenannten „Eisernen Regeln“, die auf jeden Fall einer Erkrankung bei Mensch, Tier und Pflanze zuträfen.“

Regel Nummer 4 lautet zum Beispiel:

„Nach der 4.Gesetzmäßigkeit der Germanischen Neuen Medizin® „Das ontogenetisch-bedingte System der Mikroben“, bauen die Althirn-gesteuerten Organe ihre Tumoren mit Hilfe von Spezialmikroben wieder ab, während ebenfalls in der Heilungsphase die Löcher und Ulcera der Großhirn-gesteuerten Organe mit Hilfe von Viren und Bakterien unter Schwellung wieder aufgefüllt werden.“

Weiter geht es mit Regel Nummer 5:

„Die 5.Gesetzmäßigkeit „Das Gesetz vom Verständnis einer jeden sog. Krankheit als eines (entwicklungsgeschichtlich verstehbaren) sinnvollen biologischen Sonderprogramms der Natur“ (SBS), dreht die gesamte Medizin um.“

Den Sinn eines solchen SBS erklärt Hamer am Beispiel Brustkrebs:

Der biologische Sinn bei einem Mutter/Kind-Konflikt ist z.B. der, daß der Organismus zusätzliches Brustdrüsengewebe baut, um dem Kind, das durch einen Unfall z.B. gerade eine Entwicklungsstörung durchmacht, Hilfestellung zu geben, in dem es nunmehr mehr Muttermilch bekommt.

Bei den Frauen in den sog. zivilisierten Ländern spielen sich diese Vorgänge meistens außerhalb der Stillzeit ab. Bekommt also eine Frau in der Zivilisation einen Mutter/Kind-Konflikt während sie nicht (mehr) stillt, dann wächst ein solcher Brustdrüsentumor und imitiert den Zweck des mehr-Milch-geben-wollens an den Säugling, der zwar als Kind, meist aber nicht mehr als Säugling vorhanden ist.

Das hat unsere modernen Mediziner ja dazu gebracht diesen Tumor als etwas völlig Sinnloses, Krankes, als Ausartung der Natur anzusehen, weil sie das Verständnis für den ursprünglichen Sinn verloren hatten.

Da möchte man auf den Tisch hauen und fragen: „Ja, wieso hat denn niemand mehr dafür Verständnis?“

Wenn es um die Frage geht, ob diese Form der Medizin hilft, sei zur Beantwortung auf deren Referenzen verwiesen.

Zum Abschluss dieses kleinen Exkurses lassen wir Herrn Hamer noch einmal selber zu Wort kommen, die Damen und Herren von Panorama haben ihn in Schweden besucht:

Dr. L. distanziert sich in einem Video von 2010 ausdrücklich von Hamers rassistischen und antisemitischen Äußerungen, die täten der Idee der Neuen Medizin nicht gut. Es sei Unsinn gibt er dann von sich, zu denken, eine Rasse sei besser als die andere*. Da werden sich die Rassen aber freuen.

Dazu muss man sagen, dass es Rassismus eigentlich auch im Weltbild des Dr. L. nicht geben dürfte, denn zur Welt hat er eine ganz eigene Meinung:  

„Wir haben grundlegend recherchiert und herausgefunden, dass es keine Übertragung von Krankheiten durch Krankheitserreger gibt. Es existieren keine krankmachenden Viren! Die bekannten und neuen Krankheiten haben andere Ursachen, die verschwiegen werden.“

Er geht sogar noch weiter:

„Biologische Strukturen dagegen, die etwas Negatives machen sollen, hat man nie gesehen. Die Grundlage des biologischen Lebens ist das Miteinander, ist die Symbiose, und da gibt es keinen Platz für Krieg und Zerstörung. Krieg und Zerstörung im biologischen Leben ist eine Zuschreibung kranker und krimineller Hirne.“

Man kann sich durchaus fragen, wie jemand den kognitiven Graben überwindet, der sich zwischen der ersten und der letzten Aussage befindet. Dieser Frage möchte ich jetzt aber gar nicht nachgehen und grabe lieber weiter. Dr. L. verfasst Bücher über das Thema dieser seiner Fachkompetenz:

  • „Impfen und AIDS: Der Neue Holocaust
  • „Impfen“ – Impfen ein Verbrechen an der Menschheit?
  • Die Vogelgrippe. Der Krieg der USA gegen die Menschheit“

So sieht ein kognitiver Canyon aus.

Hier gibt es eine kleine Gruppe von Menschen, die verzweifelt versucht, uns alle zu retten.

„Leider hat nur das klein-klein Team ernsthaft einen Weg gesucht und gefunden, wie die Menschen weiter auf diesem Planeten leben können und geht ihn. Alle anderen hatten einen zu kurzen Atem, haben aufgegeben oder es gar nie versucht.“

„Es bedarf der konsequenten Bestrafung der lebenszerstörenden Lügner, unabhängig von deren Status und Ansehen, durch den demokratisch legitimierten Rechtsstaat.“

Zum letzten Zitat muss gesagt werden, dass Dr. L. nichts weiter anstrebt, als eine Weltrevolution, in der dieser Rechtstaat noch zu schaffen sei. In diesem Staat, würde ich, nach meinem Verhalten in den letzten Wochen, hier in der FC konsequent bestraft. So wie auch alle AIDS Kranken, immerhin leiden sie an erlogenen Symptomen.

„Aber merdeister, das ist doch nur eine kleine Gruppe von Menschen, was, außer Thabo Mbeki zu verwirren, können die schon machen?“

Im Rahmen der Aufregung um die Schweinegrippe, ging eine Email „rum“, in der behauptet wurde, Squalen, eines der Adjuvantien im Schweinegrippeimpfstoff wäre Auslöser den „Golf-Kriegs-Syndroms“. Die Aussage war zwar bereits lange widerlegt, trotzdem sorgte diese Email für einige Aufregung, schaffte es in die Freitags Community und brachte das Paul Ehrlich Institut dazu, sich zu dem Thema zu äußern. Im Falle der Schweinegrippe konnte dieser Wirbel wohl auch nur ausgelöst werden, weil dabei einiges schief gegangen ist.

Dr. L. ist schnell von Begriff und lässt sich nicht leicht hinters Licht führen, wird jedoch äußerst ungehalten, wenn er der Ansicht ist, jemand versuche es. Das mag diverse Verurteilungen wegen Beleidigung erklären.

Nachdem den Eltern eines kleinen Mädchens mit Mukoviszidose das Sorgerrecht entzogen worden war, weil diese sich weigerten, ihr Kind impfen zu lassen und dessen Ärzte diese Entscheidung für akut gefährdend hielten, unterstellte Lanka Mitarbeitern des Landkreises „kriminelle Energie“ und „Idiotie„.

Im selben Jahr verunglimpfte er den ehemaligen Leiter des RKI als „Massenmörder„. Diese Beleidung beruht vermutlich auf der Tatsache, das Lanka behauptet, Impfen sei „ein Verbrechen an der Menschheit“, da wird man schon mal wütend.

In den Jahren scheint er jedoch aus der Übung gekommen zu sein, schaffte er es doch immerhin im Jahre 2002 nach seiner Verurteilung wegen Beleidigung einen Staatsanwalt einen „feuchten Nazifurz“ und den Richter einen „scientologischen Babyficker“ zu nennen.

Diese Person möchte nun also Beweise sehen, nicht nur dafür, dass HIV und AIDS zusammenhängen, sondern überhaupt dafür, dass es Infektionskrankheiten gibt. Die gäbe es nicht, alles erstunken und erlogen. Damit die USA die Weltherrschaft an sich reißen können.

Ungenügend scheint die Antwort an einen Mitarbeiter Dr. Ls. zum Thema AIDS vom Robert Koch Institut aus dem Jahre 1995 gewesen zu sein. Aus dieser Antwort mag jedoch zu erklären sein, warum vom Robert Koch Institut sich nicht weiter kümmern mag:

Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass ich für diese Art der Beschäftigungstherapie weder Bedarf noch Verständnis habe – ich kann meine zeit mit sinnvolleren Tätigkeiten verbringen als in alten Zeitschriften zu wühlen.
(…)
Mit freundlichen Grüßen
i.A.
Dr. Ulrich Marcus

Das will ich auch hoffen!

*Hier paraphrasiere Ich.

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