Missverständnis um vergiftete Heilpraktiker.

Beschränkt man sich darauf, Zahnfeewissenschaft zu betreiben und den eigenen Lebensunterhalt als Kompetenzimitator in Sachen Gesundheit bestreitet, kann es passieren, dass man mit der Realität in Konflikt gerät.

So geschehen in Norddeutschland, wo die Einnahme einer pharmakologische wirksamen Substanz 30 Teilnehmende eines Seminars für Heilpraktiker von den Füßen holte. Die Polizei ermittelt unter anderem, weil es sich bei der Substanz um eine illegale gehandelt haben soll. Der Seminarleiter gab jedoch zu verstehen, man könne niemandem er Anwesenden einen Vorwurf machen. Erstens hätten sie sich vor langer Zeit entschieden, Dosis-Wirkungszusammenhänge als große Verschwörung des medizinisch pharmakologisches Komplexes zu enttarnen. Auch gingen die Angehörigen des Heilpraktiker- und Homöopathenordens (St. Hahnemann) täglich mit Substanzen um, gegen die eine angeblich halluzinogen wirkende Substanz ein Witz ist. Opium, Plutonium oder Hundekot sind nur einige Beispiele für Grundsubstanzen homöopathischer Zuckerpillen. „Für unsere Patienten gehen wir viele Risiken ein. Ich selbst habe einmal Plutonium C200 eingenommen.“

Homöopathen und Heilpraktiker kennen sich also damit aus, sich selbst als Versuchspersonen zu nehmen. Viele realitätsbasiert arbeitende Mediziner haben in der Vergangenheit ähnliches gemacht und so für Fortschritt gesorgt. Unter anderen das Prinzip der Herzkatheters wurde im Selbstversuch entdeckt.

Der Seminarleiter und die Teilnehmer, die unter Umständen den Rettungseinsatz zahlen müssen, überlegen derweil, ob sie die Rettungskräfte juristisch belangen und Schadenersatz fordern. Immerhin sei eine Arzneimittelprüfung vorzeitig unterbrochen worden. Niemand sei über das Krampfstadium hinweggekommen, weil die Schulmediziner in ihrer Arroganz eingeschritten seien und, wie immer, das Symptom unterdrückt hätten.

Ein Teilnehmer hegte den Verdacht, es handelte sich bei dem Rettungseinsatz um den Versuch der Pharmaindustrie, die Entdeckung eines weiteren homöopathischen Heilmittels zu verhindern. „Angst haben die! Angst! Die wissen doch, dass man mit Homöopathie alles heilen kann! Aber man kann es nicht patentieren, darum haben sie Angst!“ sagte ein aufgeregter Teilnehmer, kurz bevor der sich wieder in das Gespräch mit einem rosa Elefanten vertiefte.

Im Vatikan der Homöopathie, dem Sitz des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) in Köthen, arbeitet man bereits an einer Lösung des Problems vorzeitig durch Notärzte beendeten Arzneimittelprüfungen. „Erst im letzten Jahr wurden mehrere Teilnehmerinnen einer Digitalisprüfung vor Ende des Versuchs wiederbelebt. Ein unverantwortlicher Vorgang“, so der DZVhÄ-Sprecher. „Wenn unsere Forschungen so sabotierter werden, wird es niemals eine homöopathische Notfallmedizin geben“.

Aktuell werde mit den Ärztekammern verhandelt. Im Gespräch ist eine Plakette, welches während der Prüfung getragen wird:

Keine notärztliche Versorgung! Homöopathische Arzneimittelprüfung!

Die Ärztekammern hätten jedoch als Antwort Vordrucke für Patientenverfügungen geschickt. „Es gibt noch viel Gesprächsbedarf um Missverständnisse auszuräumen“, so der Sprecher. „Die Allopathen sind manchmal etwas verbohrt. Da war Hahnemann vor 200 Jahren schon weiter“.

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20 Gedanken zu “Missverständnis um vergiftete Heilpraktiker.

  1. Danke für den erfrischenden Kommentar. Leider wurden die Teilnehmer nicht nur um ihren ‚Erkenntnisgewinn‘ betrogen, sondern hatten auch gute Chancen zukünftige Preisträger des Darwin-Awards zu werden. Ich unterstütze den Seminarleiter in seinem Bestreben um Schadenersatz und schlage einen 500€-Schein vor. In der C200-Ausführung.

      1. Aufgrund der aktuellen Flüchtlingsproblematik schlage ich den alkoholischen Auszug vor. Die wertvolle Flüssigkeit wird dann weiterverwendet, den Abfall kann man ja dann spenden.

        1. Leuchtet ein, auch das mit dem Spenden. Mein Vorschlag: Ich liefere den Ausgangsstoff, also einen alkoholischen Auszug von 500€ für, sagen wir, 500€ den Deziliter. Daraus kann man so viel 500€ C200 machen, dass der Hersteller Millionen, was sag ich, Milliarden damit einnehmen kann. So gesehen nehme ich vielleicht 5.000 € oder 50.000. Und den Müll behalte ich. Sorgfältig getrocknet kann man damit sicher noch bezahlen, oder man kriegt bei der Bundesbank einen neuen 500-Euro-Schein dafür.

  2. naja… pfeifen die net mal mutig genug für lsd/Pilze/meska oder dmt waren und lieber mal research chemicals oder auch als „Badesalze“
    geschluckt haben und bestimmt viel zu viel davon… sollen se das nächste mal am besten alle ganz, ganz viel spice rauchen… bringt einen geistig bestimmt ganz weit -.-

  3. Wer wirklich glaubt, diese Heilpraktiker hätten freiwillig im Eigenversuch eine Droge genommen, nimmt hier die Tatsachen nicht wahr. Homöopathen und Heilpraktiker wenden sich bewusst weitestgehend von der modernen Schulmedizin ab – ihr Interesse an den Produkten der Pharma-Industrie dürfte an sich gering sein. Und es handelt sich zudem um ein Mittel, das in Deutschland seit letztem Jahr verboten ist. Kein vernünftiger Homöopath oder Heilpraktiker würde das nehmen, und schon gar nicht in gefährlicher Dosierung, und schon gar nicht kollektiv im Rahmen einer Konferenz. Dass diese Darstellung vorne und hinten nicht stimmen kann, muss jedem auffallen.
    Ich sehe in dem Vorfall eher einen Versuch, den Homöpathen und Heilpraktiker einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen – und zwar durch jemanden, der sich durch ihren Erfolg und wachsenden Marktanteil bedroht fühlt.

    1. Haha, wie lustig. Könnte sich hier bei Ihrem Kommentar um einen Sein-Sollen-Fehlschluss handeln. ALLE Homöopathen und Heilpraktiker sind super, machen alles richtig und sind die Guten und Big-Bad-Pharma schlottert vor dem heiligen Kreuzzug dieser edel Gesinnten. Deshalb wurde ein Spion in diese aufklärerische Zelle geschickt um alle zu vergiften. Und nur Sie sehen das, weil Sie die große Weltverschwörung des Ganzen im Allgemeinen und die des Gesundheitssektors im Speziellen durchschaut haben. Sie fragen sich, warum alle von einem Gesiterfahrer sprechen, denn Sie sehen tausende!

      In meiner Wahrnehmung ist Ihr „vernünftige Homöopathen und Heilpraktiker“ ein Oxymoron, aber das ist eben nur meine Meinung und ich bin ja schließlich auch nur einer von den tausenden von Geisterfahrern.

      Setzen Sie Ihre rosa Brille ab, die Leute haben sich ordentlich einen geballert und haben natürlich (!) keine Ahnung von realen Dosierungen.

      Aufmunternd möchte ich Ihnen aufgrund Ihrer verklärten Wahrnehmung dieser Menschen noch als Zitat von Funny Van Dannen zurufen: „Auch lesbische schwarze Behinderte können ätzend sein.“

      1. Sehr unterhaltsam, danke.
        Ich sehe das gar nicht so schwarz-weiß. Es gibt auch hervorragende Schulmediziner und schwachsinnige Homöopathen. Aber diese Medien-Darstellung einer schiefgelaufenen Drogenparty, auf die sich alle sofort eingeschossen haben, ist einfach unglaubwürdig. Zumindest würde man doch als ordentlicher Journalist die Polizeiermittlungen abwarten?

        Dass Homöopathie und alternative Behandlungsmethoden Marktanteile gewinnen, ist Tatsache. Das hat nichts mit rosa Brille oder der verkehrten Wahrnehmung eines Geisterfahrers zu tun. Man muss Homöopathie deswegen nicht mögen oder probieren, aber wegdiskutieren geht eben auch nicht. Ich frag mich immer wieder, warum die Homöopathie-Ungläubigen sich durch (ihrer Ansicht nach) eine handvoll esoterischer Verschwörungstheoretiker so bedroht fühlen und sich so darüber aufregen? Warum nicht einfach ignorieren? Müsste ja von sich aus im Sande verlaufen, wenn es nur ein paar einzelne „Geisterfahrer“ sind? Aber dass es inzwischen tausende eingetragener Homöopathen und Heilpraktiker gibt, muss man schon wahrnehmen. Und die leben auch von etwas, also so wenige Verschwörungstheoretiker/Geisterfahrer, die das nachfragen, sind das gar nicht. Die Krankenkassen haben homöopathische Behandlungen inzwischen z.T. als Kassenleistung anerkannt. Die Hersteller homöopathischer Mittel machen steigenden Umsatz. Es gibt ganz allgemein eine wachsende Nachfrage nach natürlichen Produkten, auf die auch die Industrie inzwischen reagiert. Ihre Art, natürliche Alternativmedizin zu diskreditieren zeugt von Realtitätsferne Ihrerseits.

        1. Danke für die Antwort.
          Ich hatte schon den Eindruck, dass die seriöseren Medien sich mit einer Beurteilung zurückgehalten haben und immer wieder darauf verwiesen, dass das Ergebnis der Untersuchungen abgewartet werden müsse. Das hat auch der Einsatzleider der Polizei und der leitende Notarzt immer wieder gesagt. Also ALLES Lügenpresse?

          Ich weiss nicht, ob Ihnen der „Donner-Bericht“ bekannt ist, den ein freundlicher Aufklärer hier auf der Seite verlinkt hat. Das wurde schon alles gesagt, was man zur Homöopathie wissen muss. Vor Jahrzehnten. Und dass Sie der Kommentatorin Kyrisia hier auf der Seite klares Denken absprechen und nen Drogentrip unterstellen, qualifiziert Sie als Jouralistin für Medien, die Sie kritisieren. Warum darf man denn als (angehende) Heilpraktikerin nicht kristisch mit den eigenen Methoden und der eigenen Zunft sein? Gerade kritisches Denken gegenüber den eigenen Methoden und die Infragestellung von (unbegründbaren) Dogmen ist das, was man fördern sollte. Nicht Ihre Huldigung des Placebokapitalismus und dessen Aufschwung. Nur weil immer mehr Leute bei IKEA kaufen, macht es nicht zu einer richtigen Sache. Wieder so ein Fehlschluss.

          Ich habe auch nichts gegen natürliche Medizin (das Wort Alternativmedizin suggeriert doch ein Schwarz-und-Weiss-Denken). Phytotherapeutika beispielsweise haben durchaus ihren berechtigten Stellenwert in der Medizin und zahllose industriell gefertigte Medikamente haben ihren Ursprung dort. Aber wie der „Donner-Report“ sagt: Jenseits von D3 hört es halt auf Pharmakotherapie zu sein und wird (Zitat merdeister:) „placebogestützte Psychotherapie nach Hahnemann“. Auch das ist per se nicht schlimm, sondern wird es, wenn diese Menschen ihre therapeutischen Grenzen nicht kennen, d.i. nicht kristisch mit der eigenen Methode und sich selbst sind.

          Solche Diskussionen wurden schon anderswo geführt. Ich empfehle, um das hier abzukürzen, diesen link:

          http://www.amazon.de/review/R1EML5XBV2FFU0/ref=cm_cr_dp_title/277-6554935-8821914?ie=UTF8&ASIN=3492055362&channel=detail-glance&nodeID=299956&store=books

          Freundliche Grüße, v.

          Und P.S.: Für Amazon gilt das Gleiche wie für IKEA.

    2. Als angehende Heilpraktikerin kann ich versichern, dass der Großteil der Kollegen tatsächlich genau so dämlich handeln würde. Und es kotzt mich an, dass es so ist. Auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass einige Krankheiten auch problemlos ein Heilpraktiker behandeln kann, so geht eben nicht alles und schon gar nicht dadurch, dass wir uns Knochen in die Haare binden und um die Patienten herum tanzen. Leider glauben das nicht wenige der Heilpraktiker und Homöopathen.
      Den Knüppel werfen sich eben jene also äußerst direkt selbst zwischen die Beine und leider auch denen, die nicht mit Wässerchen, an denen vielleicht mal eine Heilpflanze vorbei gefallen ist, nach ihren Patienten werfen.
      (Mag ja sein, dass der Placeboeffekt bei einigen „Gläubigen“ hilft, aber dann kann man auch gleich einfaches Wasser verteilen, anstelle viel Geld für nix zu verlangen)

      1. Off topic:
        Das was Du sagst klingt ganz vernünftig. Mich interessiert, was Dich dazu motiviert „Heilpraktikerin“ zu werden? Was versprichst Du Dir davon, auch im Gegensatz zu Berufen mit Ausbildungen oder Studium im Gesundheitsbereich? Ehrliches Interesse.

        1. Schulmediziner haben durchschnittlich scheinbar nur 8 Minuten Zeit für ihre Patienten. Mir kann keiner erzählen, dass in 8 Minuten eine vernünftige Diagnose erstellt werden kann. Das dann bei jeder popeligen Erkältung gleich mal ein Rezept ausgestellt wird, ist verständlich aber weder besonders gesund noch letztlich effektiv. Meiner Meinung nach muss Schulmedizin mit alternativer Medizin Hand in Hand gehen. Meinetwegen auch mit Homöopathie, wenn es denn den „Gläubigen“ helfen kann. Bei dem, was über Heilpraktiker allerdings gedacht wird – und ich kann das durchaus nachvollziehen – wird das so schnell leider nichts.
          Dazu kommt für mich, dass viele physische und psychische Krankheiten einzeln betrachtet werden, ich aber denke, dass wenn es der Psyche nicht gut geht, sich das auch auf den Körper auswirken muss und anders herum. (Jahrelang Rückenschmerzen kann zu Depression führen – wie auch nicht, wenn man ständig mit Schmerzen leben muss?) Als Heilpraktiker soll man den Blick für das Ganze erkennen lernen. Auch dafür bleibt Schulmedizinern nicht wirklich die Zeit.

    3. “ ihr Interesse an den Produkten der Pharma-Industrie dürfte an sich gering sein. Und es handelt sich zudem um ein Mittel, das in Deutschland seit letztem Jahr verboten ist.“

      Du siehst schon den Widerspruch dieser beiden Aussagen?

      Ich stimme Dir zu, dass die Damen und Herren sich der Wirkung wahrscheinlich nicht vorher bewusst waren. Das zeigt aber nur, wie ahnungslos diese Menschen sind.

      1. Merdeister – Den Widerspruch sehe ich leider nicht. Dass ein Mittel hier verboten ist, heißt nicht, dass es nicht erhältlich ist. Und es IST ein Pharma-Produkt. Worin liegt hier der Widerspruch? Ehrliches Interesse.
        Mein Argument war nicht die Dosierung, sondern dass die Betroffenen dieses Mittel gar nicht freiwillig genommen haben dürften.
        Kyrisia ist m.E. nicht ernstzunehmen. Leute mit dieser Einstellung wählen nicht den Heilpraktiker-Beruf. Das Bild, das sie von Homöopathen und Heilpraktikern zeichnet, klingt eher als ob SIE auf einem Drogentrip ist.

        1. Kein Drogentrip in Sicht – außer man rechnet übermäßigen Koffeeingenuss dazu. Und viel mehr Leute mit dieser Einstellung sollten diesen Beruf wählen, damit eben endlich mal Vorurteile abgebaut werden können. Mir fehlt zwar noch meine amtsärztliche Überprüfung, dennoch habe ich diese Ausbildung gewählt und mache momentan auch zusätzlich noch den HP für Psychotherapie in einer Paracelsus Schule.

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